Über wenige Dinge gehen die Meinungen so weit auseinander wie über die pädagogischen Erziehungsmethoden des Nachwuchses. Ganz klar, alle Eltern wollen wohl einfach nur eins: Alles richtig machen. Doch was genau bedeutet „richtig“?

Man hat sie schon im Kopf, die Vorstellung vom gut erzogenen Kind. Es benimmt sich anständig, wenn man mit ihm irgendwo zu Besuch ist, es ist selbstbewusst, sagt seine Meinung und es wehrt sich auch mal, wenn es geärgert wird. Es kann sich durchsetzen, es schlägt keine anderen Kinder, es ist zu Erwachsenen zuvorkommend und grüßt, es hält sein Zimmer einigermaßen in Ordnung und befolgt die Regeln, die ihm seine Eltern auferlegen. Du kannst im vollkommen Vertrauen. Es macht einen guten, beruflichen Weg und gerät selbstverständlich auch nicht auf die schiefe Bahn. Soweit die Theorie.

Aber mal ehrlich: Klingt zwar traumhaft, ist aber nur in den wenigsten Fällen realistisch. Immerhin sind Kinder kleine Individuen, die man nicht alle nach einem bestimmten Rezept oder einer Erziehungsmethode zu einem gehorsamen und anständigen Roboter erziehen kann. Und das soll auch gar nicht so sein.

Alle Eltern wünschen sich durch ihre Erziehungsmethoden alles richtig bei der Erziehung zu machen.

Die richtige Erziehungsmethode: Ja, wie denn nun?

Ab wann kann man überhaupt sein Kind erziehen? Gleich am Anfang, indem man es noch ein bisschen schreien lässt, bevor man es vorschnell auf den Arm nimmt? Um ihm zu zeigen, wo die Grenzen sind? Auf keinen Fall. Heute weiß man nämlich ganz genau, dass man ein Kind zumindest im ersten Lebensjahr nicht verwöhnen kann. Ein Kind braucht im ersten Jahr seines Lebens eigentlich nur wenig: Uneingeschränkte Liebe, genug zu essen und Geborgenheit. Mit der Erziehung und der Suche nach der perfekten Erziehungsmethode kann man also getrost noch eine Weile warten. Allerdings sollte man auch nicht den richtigen Zeitpunkt verpassen, – schließlich will man wahrscheinlich auch kein verwöhntes Gör, wie es so schön heißt.

Ist das Kind verwöhnt?

Das ist natürlich alles eine Sache der Definition. Einerseits ist verwöhnt werden doch etwas Schönes, andererseits will man auch kein zu verwöhntes Kind großziehen, welches niemals zufrieden ist und die Eltern herumkommandiert und tyrannisiert. Auch hier gilt: Verwöhnen kannst du dein Kind in den ersten Lebensmonaten noch nicht. Das ändert sich dann aber irgendwann.

Als verwöhnt könnte man ein Kind dann bezeichnen, wenn es niemals im Haushalt hilft, wenn es keine Langeweile erträgt und nie mit sich allein sein kann, wenn es nicht warten kann, permanent mit materiellen Dingen überhäuft wird, keine Verantwortung übernimmt, dauernd für Selbstverständlichkeiten gelobt werden will und immer Aufmerksamkeit braucht. Und so weit sollte es mit einer guten Erziehungsmethode eigentlich erst gar nicht kommen.

Eine gute Erziehungsmethode – was soll das sein?

Die Frage stellen sich vermutlich alle Eltern: Wie erziehe ich mein Kind zu einem zufriedenen, freundlichen und erfolgreichen Menschen? Dafür braucht es vor allem Empathie, Selbstvertrauen und Optimismus. Nur: Wie bekommt man das hin?

Zum Optimisten wird ein Kind dann, wenn ihm die Eltern nicht immer negative Botschaften übermitteln wie: Du bist immer so frech! Besser wäre in dem Fall: Du bist heute aber frech. Das impliziert, dass es morgen schon wieder anders sein kann. Eltern sollten nicht vorwiegend Begriffe aus dem Pessimisten-Wortschatz, sondern aus dem Optimisten-Wortschatz verwenden. So lernt auch der Nachwuchs, Dinge positiv zu sehen.

Empathie bekommt es, indem es lernt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Und das kann man lernen! Zum Beispiel, wenn die Eltern ein entsprechendes Vorbild sind. Wenn es der Mama schlecht geht, hat der Papa Mitleid. Empathisch wird das Kind, wenn Eltern Empathie vorleben. Sie können auch an die Gefühle des Kindes appellieren: „Versetz dich doch mal in die Lage des anderen Kindes! Wie würdest du dich da fühlen?“

Auch durch das Vorlesen kann die Empathie eines Kindes gefördert und geweckt werden. Übrigens entwickelt sich Empathie generell erst ab etwa 3 Jahren.

Selbstvertrauen fördern ist eine ziemliche Gratwanderung. Zu viel Selbstbewusstsein würde nämlich bedeuten, dass das Kind eingebildet ist. Dennoch sollten Eltern ihr Kind loben, wenn sie etwas Positives an ihm entdecken oder wenn etwas gut geklappt hat. Wenn das Kind etwas Neues gelernt hat, ist Loben immer gut. Sowohl mit Worten als auch mit Gesten. Wird das Kind jedoch für selbstverständliche Dinge gelobt, kann das auch kontraproduktiv sein.

Die verschiedenen Erziehungsmethoden

Erziehungsmethoden gibt es viele. Bei den meisten Eltern kommt aber keine bestimmte Erziehungsmethode zum Einsatz, sondern sie erziehen nach Bauchgefühl oder situativ.

Welche Erziehungsmethode ist die richtige für mein Kind? Montessori oder doch Zuckerbrot und Peitsche

Montessori

Die Montessori-Pädagogik wird immer beliebter. Sie wird in vielen Kindergärten und Schulen angewendet. Ein wichtiger Grundpfeiler ist zum Beispiel die freie Entscheidung: „Wir malen jetzt alle eine Blume“ – bei Montessori läuft das anders: Jedes Kind malt das, was es malen will oder sucht sich sein eigenes Hobby aus. Es wird also nicht in eine bestimmte Aufgabe gedrängt. Alle Materialien müssen dafür frei zugänglich sein.

Weiterer Grundpfeiler der Montessori-Pädagogik: Hilf dem Kind, etwas alleine zu machen und mach es nicht für das Kind. Im Klartext: Das Kind soll angeleitet werden, etwas selbst zu tun, auch wenn das vielleicht etwas länger dauert. Learning by Doing heißt es auch, wenn es ums Essen machen, Tisch decken oder sauber machen geht.

In der Montessori-Pädagogik geht man davon aus, dass Kinder bis zum 6. Lebensjahr alles Gelernte regelrecht aufsaugen. Das sorgt dafür, dass sie Neues spielend leicht erlernen.

Montessori hat nichts mit Esoterik zu tun, auch wenn das Kritiker oft so darstellen. Es geht vielmehr bei dieser Erziehungsmethode um die oben beschriebenen Prinzipien, bei denen das Kind angeleitet wird, etwas selbstständig zu tun.

Zuckerbrot und Peitsche?

Die Erziehungsmethode Zuckerbrot und Peitsche existiert zwar leider immer noch, wird aber glücklicherweise nur noch vereinzelt praktiziert. Immerhin handelt es sich dabei um eine Erziehungsmethode, die schon von unseren Großeltern angewendet wurde. Ist das Kind nicht willig, bekommt es eben einfach einen Klaps. Das kann ja wohl nicht schaden, oder? Das sieht man heute definitiv anders. Körperliche Strafen erschüttern das Selbstbewusstsein des Kindes (wie wichtig das ist, steht ein paar Absätze weiter oben) und es zerstört das Vertrauen zu den Eltern. Es fördert zudem ein aggressives Verhalten und hemmt auch intellektuelle Fähigkeiten. Eltern sind Vorbilder und von ihnen sollen Kinder lernen, dass es auch ohne Gewalt möglich ist, Konflikte zu lösen.

Zuckerbrot und Peitsche, damit machen es sich die Eltern ziemlich leicht. Sie lassen dem Kind oftmals viel durchgehen, bis zu einem Zeitpunkt, wo ihnen dann die Hutschnur platzt. Und dann gibt es einen Klaps oder eine Ohrfeige. Keine Frage, diese Erziehungsmethode ist pädagogisch betrachtet alles andere als empfehlenswert.

Bei der Erziehungsmethode Zuckerbrot und Peitsche führt es häufig zu Konfliktsituation zwischen den Eltern und dem Nachwuchs.Antiautoritäre Erziehung

Man könnte meinen, dass die Zeiten antiautoritärer Erziehung vorbei sind. Dem ist aber nicht so. Teilweise ist sie sogar wieder auf dem Vormarsch. Die antiautoritäre Erziehung stellt den genauen Gegensatz zur autoritären Erziehung dar. Weder die eine noch die andere Methode ist uneingeschränkt zu empfehlen.

Eine antiautoritäre Erziehung basiert darauf, ohne Zwänge abzulaufen und dem Kind genügend Raum zu geben, sich zu entfalten. Kurz gesagt: Das Kind bekommt freie Hand bei allem, was es tut, es hört selten ein Nein und tut das, worauf es Lust hat. Wenn Kinder komplett ohne Grenzen erzogen werden, kann das dazu führen, dass sie Egoisten werden und Grenzen schlecht einschätzen können.

Man verwendet heute auch nicht mehr den Begriff antiautoritär, sondern vielmehr liberale bzw. demokratische Erziehungsmethode. Das Ziel: Der kleine Mensch soll zu einem eigenständigen, kreativen und sozial fähigen Wesen erzogen werden. Sprich: Eine Erziehung, die möglichst frei ist von Zwängen. In der Realität leider oftmals schwierig realisierbar, aber dennoch wird das in den meisten Kindergärten heute so praktiziert.

Neben den drei berühmtesten Erziehungsmethoden, gibt es noch diese anderen Erziehungsmethoden:

  • Permissive Erziehung
  • Negierende Erziehung
  • Laissez-faire Erziehung
  • Autoritäre Erziehung

Generell kann man sagen, dass es vielmehr auf eine gesunde Mischung und einen Kompromiss ankommt. Weder die autoritäre Erziehung der 20er und 30er ist angebracht, noch die antiautoritäre Erziehung der 60er-Jahre. Viele Eltern gehen heute dazu über, die Kinder eher in Richtung antiautoritär zu erziehen, dabei aber dennoch immer wieder Grenzen zu setzen. So oder so: Man sollte sich nicht von der vermeintlich richtigen oder falschen Erziehungsmethode beeinflussen lassen. Versuche dein bestes, denn es gibt keine Eltern, die bei der Erziehung nicht auch mal Fehler machen, das ist menschlich und ganz normal.

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