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Wie ist es in einer Welt voller Missverständnisse zu leben? Als kühl und unnahbar zu gelten? Worte der Mitmenschen nicht zu verstehen oder richtig interpretieren zu können? Interessen zu haben, die kaum jemand sonst mit einem teilt?

Auf diese Fragen könnten uns Asperger-Autisten sicherlich viele Antworten geben. Denn die beschriebene Welt ist oftmals ihre eigene.

„Aspis“, wie sie immer wieder liebevoll genannt werden, leiden unter einer autistischen Persönlichkeitsstörung. Wie viele Menschen weltweit betroffen sind, konnte bis dato leider nie geklärt werden, da es bei vielen Betroffenen nie oder erst im späten Erwachsenenalter diagnostiziert wird. Einer Studie zufolge, die in Europa, Kanada und den USA durchgeführt wurde, tritt das Syndrom bei etwa einem bis drei von 1000 Menschen auf.

Wie äußert sich das Asperger-Syndrom?

Aber mal ganz von vorne: Was genau ist das Asperger-Syndrom eigentlich und wie zeigt es sich im Alltag? Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Autismus-Spektrum-Störung (ASS), die sich in Form einer tiefgreifenden Persönlichkeits- bzw. Entwicklungsstörung zeigt.

Entdeckt wurde sie erstmals im Jahr 1944 durch den Kinderarzt Hans Asperger, der bei einer Vielzahl seiner jungen Patienten zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr erhebliche Defizite in ihren sozialen Interaktionen feststellte.

Asperger ist ein gutes Beispiel für eine Diagnose, die nach außen hin praktisch unsichtbar ist. Ob Erwachsener oder Kind, auf den ersten Blick wirken sie völlig normal. Erst wenn man in die Interaktion oder Kommunikation mit ihnen geht oder sich näher mit ihnen beschäftigt, realisiert man: Irgendetwas ist anders.

Wie das Wort „Spektrum“ aber schon sagt, gibt es nicht DEN einen Asperger-Autisten, denn die Symptomatik ist extrem vielfältig und mal stärker, mal schwächer ausgeprägt. Aber eines haben die Betroffenen alle gemeinsam. Sie haben starke Defizite in den Bereichen Kommunikation, Interaktion und Verständnis.

Wenn man sich mit einem Asperger-Autisten unterhält, dann fällt einem oftmals zunächst auf, dass dieser sehr monoton und irgendwie emotionslos spricht, selbst wenn es sich gerade um ein sehr bewegendes Thema handelt. Sein Wortschatz hingegen ist sehr groß und man trifft auf Redewendungen, die man lange nicht gehört hat. Fast klingt es ein wenig arrogant oder altertümlich.

Er hat Schwierigkeiten damit, die Stimmung seines Gegenübers anhand von Mimik und Gestik abzulesen und richtig zu deuten. Auch Zweideutigkeiten, Sprichwörter Ironie oder Sarkasmus verwirren ihn. Empathie oder Mitgefühl anderen gegenüber fällt ihm schwer, was ihn leider viel zu oft zum Außenseiter macht.

Die sogenannte „Theory of Mind“ (TOM) ist normalerweise etwas, was Kinder ab dem Alter von etwa drei Jahren erlernen und häufig schon viel früher zeigen. Die TOM beschreibt die Fähigkeit, sich in die Gedanken anderer hineinversetzen zu können.

Ein Beispiel macht das vielleicht deutlich. Eine Frau zeigt einem kleinen Jungen von vier Jahren eine Keksdose. In der Dose befinden sich statt Keksen, jedoch Buntstifte, was eine Mischung aus Enttäuschung und Überraschung in dem Jungen auslöst. Fragt die Frau den Jungen dann, was ein anderes Kind wohl in der Dose vermuten würde, wenn man es jetzt in den Raum führen würde, würde der Junge sagen: „Kekse, ist doch klar!“

Ein Asperger-Kind jedoch würde Buntstifte sagen, weil es sich nicht in die Gedanken anderer hineinversetzen kann.

Viele Betroffene berichten auch davon, dass sie Farben, Gerüche und Geräusche viel intensiver wahrnehmen als das bei „normalen“ Menschen der Fall ist. So wird ein Supermarktbesuch schnell zu einem Spießrutenlauf.

Ein streng geregelter Tagesablauf mit Ritualen und Routinen schafft Sicherheit und Zufriedenheit. Veränderungen hingegen sind ihnen ein Graus und verursachen Wutanfälle.

Auch spezielle Hobbys sind etwas, das Asperger auszeichnet. Meist haben Betroffene ein ganz bestimmtes Thema, das sie begeistert und fesselt und mit dem sie sich stunden-, tage- oder sogar wochenlang beschäftigten können. Das Auswendiglernen von Fahrplänen, dem Periodensystem oder Lexika sind nur einige wenige Beispiele.

Woher weiß man, dass man am Asperger-Syndrom leidet?

Wie bereits beschrieben, dauert es mitunter sehr lange, bis jemand seine Diagnose erhält. Da hat er möglicherweise schon viele Jahre Mobbing, Ausgrenzung und das Gefühl des Andersseins hinter sich.

Fachärzte achten bei ihrer Diagnose zum einen auf entwicklungsbedingte Auffälligkeiten, andererseits führen sie aber auch körperliche und neurologische Untersuchungen durch. Zudem leisten sogenannte „Screening Fragebögen“ für soziale Kommunikation und Reaktivität wertvolle Hilfe. Mit Erwachsenen wird zusätzlich ein diagnostisches Interview durchgeführt.

Leben mit dem Asperger-Syndrom

Wenn Asperger bereits im Kindesalter diagnostiziert wird, bleibt den Betroffenen viel Leid erspart, da schon frühzeitig therapeutisch eingegriffen werden kann. Doch auch bei Erwachsenen können Verhaltenstherapien wahre Wunder bewirken und dafür sorgen, dass der Alltag aus weniger Missverständnissen besteht und man die „andere“ Welt besser verstehen lernt. In Gruppentherapien lernen sie, wie man sich in Gesprächssituationen verhält, wie man mit Konflikten umgeht, Freundschaften pflegt und mit Reizüberflutungen zurechtkommt.

In speziellen Autismus-Zentren können sich Betroffene untereinander austauschen und nötige Skills für bestimmte Situationen erlernen. „Übung macht den Meister“, gilt es zu verinnerlichen.

Kindern steht häufig auch ein Integrationshelfer in der Schule zur Seite und es können gemeinsam mit einem Autismus-Beauftragen Sonderregelungen für die Schulpause oder andere hektische Situationen vereinbart werden. Aber auch hier gilt: Aufklärung ist alles. Die Kinder müssen verstehen lernen, warum ihr Mitschüler eine Sonderrolle einnimmt und in der Pause im Klassenzimmer bleiben darf, während sie bei Wind und Wetter auf den Schulhof müssen.

Wie kann man Asperger-Autisten am besten helfen?

Am meisten ist den Betroffenen sicher geholfen, wenn die Gesellschaft sie so akzeptiert wie sie sind. Wenn sie nicht ausgegrenzt oder gemobbt werden, weil sie sich in bestimmten Situationen anders verhalten als „normale“ Menschen. Denn Toleranz und Offenheit helfen oftmals mehr als die besten Therapien.