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Es fühlt sich an wie tausende Ameisen, die sich in den Beinen tummeln. Ein schier unerträgliches Kribbeln, Jucken und Ziehen, das bis in Arme und Brust ausstrahlen kann. Die einzige Möglichkeit diesem Gefühl zu entrinnen, ist Bewegung. Und diese Bewegung wird zu einer regelrechten Sucht. Diese Symptome sind für einige Menschen Realität. Denn sie sind am Restless Legs Syndrom (RLS) erkrankt.

Die meisten werden das RLS nicht kennen, obwohl in Deutschland ca. 5% aller Einwohner davon betroffen sind. Quellen zu Folge ist das Syndrom bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Dank der beiden Ärzte Karl Axel Ekbom und Theodor Wittmaack ist auch unter dem Begriff Eckborn-Wittmaack-Syndrom bekannt.

Wie fühlt es sich an, das Restless Legs Syndrom zu haben?

Das Syndrom der unruhigen Beine ist für Außenstehende schwer greifbar und nachvollziehbar, da die Symptome nur schwer in Worte zu fassen sind. Doch Betroffene wissen, welcher Leidensdruck tatsächlich hinter dieser harmlosen Bezeichnung steckt.

Tagsüber können die Erkrankten problemlos stundenlang an ein und demselben Ort sitzen und konzentriert arbeiten. Doch abends ist es ihnen nicht einmal möglich über einen längeren Zeitraum hinweg ruhig auf einem Stuhl zu sitzen, geschweige denn auf dem Sofa zu liegen oder einer Kinovorstellung zu folgen.

Lediglich das Bewegen der Beine verschafft für kurze Zeit Linderung. Sie tigern ununterbrochen durch die Wohnung und führen Stepptänze um den Esstisch auf. Auch bei gemeinsamen Treffen mit Familie und Freunde stehen sie immer wieder auf, um sich auf die Toilette zu entschuldigen. Doch sobald wieder eine Entspannungsposition eintritt, kehren die Missempfindungen zurück.

Vielen ist nicht einmal ein geruhsamer Schlaf vergönnt. Die Einschlaf- und Durchschlafstörungen sind nicht nur eine hohe Belastungsprobe für sie selbst, sondern auch für ihr persönliches Umfeld. Die Folgen sind Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und eine deutlich geminderte Lebensqualität auf allen Seiten.

Dem Drang der Bewegung zu widerstehen, stellt allerdings keine Alternative dar, denn er ist unkontrollierbar und zwanghaft.

Nicht jeder leidet unter gleich starken Ausprägungen des RLS. Werden die einen nur dreimal bis viermal pro Jahr von ihren Symptomen heimgesucht, kämpfen andere jeden Abend erneut damit. Das Verständnis aus dem persönlichen Umfeld hält sich in Grenzen. Keiner, der nicht von der Krankheit betroffen ist, kann sich vorstellen, wie mürbe dieser ständige Bewegungsdrang macht.

Wie wird das RLS diagnostiziert?

Oft vergehen Jahre bis durch einen Arzt eine Diagnose gestellt wird. Viel zu groß ist die Scham und das Unbehagen aufseiten der Betroffenen wegen „so etwas“ zum Arzt zu gehen. Die Sorge, als Hypochonder abgestempelt zu werden und dem Gesundheitssystem auf der Tasche zu liegen, ist allgegenwärtig.

Doch ist der Gang zum Arzt schließlich geschafft, stellt dieser relativ schnell mit ein paar gezielten Fragen die richtigen Zusammenhänge zum RLS her. Eindeutige Symptome, die für eine Erkrankung sprechen, sind der bereits beschriebene Bewegungsdrang der Beine, mit einer deutlichen Verschlechterung in Entspannungssituationen und Abend- der Nachstunden, sowie einer motorischen Unruhe.

Die Ursachen des Restless Legs Syndrom

Wer bis dato vermutet hatte, dass das RLS ein Leiden des Muskel- oder Bewegungsapparats sei, der liegt leider nicht ganz richtig. Es handelt sich um eine sogenannte Polyneuropathie, einer Erkrankung des peripheren Nervensystems. Tatsächlich sind die Ursachen aber nicht vollständig erforscht.

Zwei Drittel aller Erkrankten leiden an der primären, der sogenannten „idiopathischen“ Form. Die Betroffenen haben höchstwahrscheinlich eine Störung ihres Dopamin-Systems in einer bestimmten Stelle ihres Gehirns. Dopamin ist ein erregend wirkender Nervenbotenstoff. Im menschlichen Organismus ist es zuständig für Motivation und Koordination und hat in Verbindung mit Noradrenalin maßgeblichen Einfluss auf unser Glücksempfinden. Bei einem hohen oder zu niedrigen Spiegel des Botenstoffs kann es dann zu manie- oder parkinsonartigen Symptomen, wie den Restless Legs kommen.

In einem Drittel der Fälle leiden Patienten an der sekundären, der sogenannten „symptomatischen“ Form. Das bedeutet, die Symptome treten als Folge einer bestimmten Erkrankung auf. Diese können zum Beispiel Niereninsuffizienz, Eisenmangel, Parkinson oder Rheumatische Arthritis sein.

Erkranken können sowohl Männer als auch Frauen, wobei eine Häufig bei Frauen zwischen dem 30. Und 40. Lebensjahr zu erkennen ist.

Wie wird RLS therapiert?

Wird bei Patienten, die primäre, also die sogenannte idiopathische Form diagnostiziert, steht die medikamentöse Therapie im Vordergrund. Eine Aussicht auf Heilung gibt es nicht, jedoch kann Erkrankten das Leben mit sogenannten L-Dopa-Präparaten erleichtern, die den ständigen Bewegungsdrang lindern.

Nebenwirkungen, wie Geschmacksstörungen, Angstzustände, Halluzinationen, Depressionen, Bewegungsstörungen oder Kaufsucht können einem schon mal Angst und Bange bereiten. Doch ermöglicht sie es den Patienten endlich wieder am täglichen und sozialen Leben teil zu nehmen.

Neben der medikamentösen Behandlung versprechen Kaltduschen, kühlende Salben, Akupunktur, Fußreflexzonenmassage oder CBD Öl ein gewisses Maß an Linderung. Allerdings nur dann, wenn der Betroffene an einer abgeschwächten Form des RLS leidet.

Da auch Eisenmangel eine Ursache sein kann, schadet es nicht, den Bedarf mit entsprechenden Präparaten zu unterstützen und für eine kontinuierlich ausreichende Zufuhr zu sorgen.

Wie lebt man mit Restless Legs?

Da es aktuell keine Heilungsmethoden für das Restless Legs Syndrom gibt, müssen Betroffene lernen, mit ihrer Krankheit zu leben, ohne dass sie dafür zu viel von ihrer Lebensqualität einbüßen.

Nicht jeder reagiert auf die unterschiedlichen Therapieformen gleich. Auch ist der Schweregrad des RLS wirklich unterschiedlich. Wenn die Symptome nur ein oder zweimal im Monat auftreten, fährt man mit Kaltduschen oder Massagen vielleicht besser als mit Medikamenten. Andere wiederum, deren Beine bei kühlenden Salben nur müde lachen, gewinnen mit den L-Dopa-Präparaten oftmals ihr Leben zurück.

RLS ist schwer zu erklären und zu begreifen. Zum Glück gibt es im Internet mittlerweile zahlreiche Seiten mit Informationen dazu. Diese Informationen tragen auch dazu bei, das persönliche Umfeld zu informieren und aufzuklären. So lassen sich manche, für den Betroffenen unangenehme Situationen, vorbereiten und Anspannungen lösen. So ist keiner irritiert oder beleidigt und man trifft sich abends vielleicht eher zu einem Spaziergang als zu einem Restaurantbesuch.

Tipps für den Alltag mit Restless Legs Syndrom

Auch hilft es, die Lebensgewohnheiten etwas anzupassen. Wer sich tagsüber viel bewegt und Sport macht, dem fällt der gemütliche Fernsehabend leichter, als dem, der den ganzen Tag über faul war. Auch ist es sinnvoll, abends immer noch kurze Bewegungseinheiten einzubauen. Was spricht gegen einen ausgiebigen Verdauungsspaziergang nach dem Abendessen?

Und wer sagt, dass man nur abends essen gehen kann? Ein gemeinsames Mittagessen mit der besten Freundin oder dem besten Freund verschafft dem RLS-Patienten enorme Erleichterung und spart vielleicht einmal mehr den Griff zu Tabletten.

Man kann es nicht heilen, aber man kann lernen, damit zu leben.

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