Nicht wenige Angestellte, Selbständige und Kleinunternehmer verbringen derzeit unfreiwillig vermehrt Zeit zu Hause. Die Varianten sind vielfältig: Kurzarbeit, Teilzeit, Freistellungen, Home Office oder Team-Schichten. Ebenso vielfältig sind auch die Auswirkungen auf das Gemüt der Betroffenen. Einige wollen die frei gewordene Zeit dafür nutzen, sich weiterzubilden. Je nachdem, wie beispielsweise im Verlaufe der Corona-Pandemie Kontaktverbote oder Ausgangssperren gehandhabt werden, sind besonders Online-Weiterbildungsmaßnahmen attraktiv.

Ziele und Motivation kritisch hinterfragen

Das Angebot an Online-Weiterbildungen ist auf den ersten Blick beinahe unüberschaubar. Wie soll man sich da zurechtfinden?

Im Kontext eines vorübergehenden Zustandes wie Teilzeit, Kurzarbeit und so weiter, ist es wenig ratsam, gleich (kostenpflichtig) eine komplette Ausbildung oder ein Studium zu starten. Doch es gibt eine Vielzahl von Weiterbildungsangeboten in fast allen Bereichen, die modular aufbauen und somit kürzere Planungsphasen erlauben.

Einen Einstieg kann man über zwei Fragen bekommen:

  1. Was will ich lernen?
  2. Wo will ich damit hin?

 

Kompetenzerweiterung: Ich möchte etwas erlernen, was mich rein persönlich schon immer interessiert hat.

Berufliche Weiterbildung: Hierunter sind Zusatzqualifikationen zu verstehen, die das eigene berufliche Leistungsspektrum erweitern. Darunter fallen nicht nur fachliche Themen, sondern auch der Bereich der Gesundheitsbildung, etwa „Gesundheit am Arbeitsplatz“.

Orientierungshilfe: Einfach Neugierde kann eine gute Triebfeder sein, wenn man sich vor allem erst einmal umschauen oder bisher vielleicht noch unerkannte Neigungen an sich feststellen möchte. Einsteiger- oder auch nur sogenannte Schnupperkurse können sich da als sehr effektiv herausstellen.

Auswahlkriterien vorher festlegen

Bevor Sie sich auf die große Anzahl verschiedener Anbieter stürzen, sollten Sie neben den eigentlichen Inhalten weitere Auswahlkriterien festlegen.

Weiterbildungsformen

Branchenübergreifend kann man grob in drei Bereiche unterteilen, die meistens nicht ausschließlich, sondern als Schwerpunkte in einem Mix vorkommen.

  • Live-Seminare: Über eine Onlineplattform werden Seminare angeboten, zu denen man sich live trifft und in denen Wissen wie in einem Seminar, mit Vorträgen und möglicherweise auch Diskussionen, vermittelt wird.
  • Video-Kurse oder Tutorials: Vorher aufgezeichnete Videos enthalten in der Regel Vorträge, die oft zusammen mit entsprechenden Manuskripten zur Verfügung gestellt werden. Zwar kann man hier das Nutzungstempo selbst bestimmen, aber es findet keine Interaktion statt und man sitzt gewissermaßen alleine im Raum.
  • Unterlagen: Heute wird immer weniger nur mit schriftlichen Unterlagen Wissen vermittelt. Aber sie stellen die Basis dar, mit der man selbständig arbeitet.

Kostenpflichtig oder kostenlos?

Die Kosten einer Weiterbildung sind für viele ein wichtiges Kriterium. Allerdings sollte klar sein, dass die nicht immer in einem nachvollziehbaren Verhältnis zur Qualität des Angebotes stehen. Es gibt auch eine Menge sehr gute kostenfreie Weiterbildungen. Bevor man dahingehend entscheidet, lohnt es sich für Angestellte, beim aktuellen Arbeitgeber nachzufragen, ob die Maßnahme eventuell von ihm gefördert wird.
Arbeitsuchende und gemeldete Menschen sollten immer auch bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter nachfragen. Und Selbständige können Weiterbildungsmaßnahmen in der Regel als Werbungskosten steuerlich absetzen.

Organisation, Seminarleitung, Zertifizierung

Qualitätsbezogen sicher das wichtigste Auswahlkriterium. Informieren Sie sich über den Bildungsträger und über den/die Referenten. Professoren, Hochschulmitarbeiter oder Experten aus der Praxis sind keine Seltenheit. Und im Internet kann man schnell herausfinden, ob und welche Referenzen vorliegen.

Hinsichtlich der eigenen Ziele, die man mit einer Weiterbildung verbindet, empfiehlt es sich immer auch, auf die Zertifizierung zu schauen. Was ist staatlich anerkannt, was nicht? Was ist in meiner Branche anerkannt oder wird gerne gesehen?

Wichtige Datenbanken und Portale

Ein sehr umfassendes Verzeichnis von Weiterbildungsdatenbanken findet man beim IWWB, dem InfoWeb Weiterbildung. Dort kann man auf der Startseite auch gleich direkt in eine Suche nach konkreten Bildungsangeboten einsteigen. Die Website wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Übersichten und Angebote

Vorab: Bei einigen der folgenden Angebote steht die Bezeichnung „MOOCs“ (gesprochen Muks). MOOC steht für Massive Open Online Course (Massive = hohe Teilnehmerzahl). Das sind kostenlose Onlinekurse mit einer klaren Struktur sowie Austauschmöglichkeiten mit Referenten und anderen Teilnehmern.

Auch kostenfreie Angebote findet man unter anderem hier:

  • org: Management Kurse online, etwa Controlling, Leadership, Presentation Skills, Mathematik und vieles mehr
  • de: kostenlose Lernangebote, wie Microsoft Office, verschiedene Sprachkurse, Volkswirtschaftslehre, Buchführung und vieles mehr
  • Tele-Task.de: MOOC Online-Kurse mit Video, beispielsweise IT, wirtschaftliche Grundlagen und vieles mehr
  • HPI: MOOC Online-Kurse mit Video-Tutorials, auch allgemeinere Themen wie Social Media, Sicherheit im Internet oder Trolle, Hass und Fake-News: Wie können wir das Internet retten?
  • de: unter anderem Kurse aus den Bereichen: Wirtschaft, Medizin – Hygiene – Arbeitsrecht, Tourismus, Konfliktmanagement, Zeitmanagement und vieles mehr
  • Vergessen wir nicht traditionelle Anbieter wie die Volkshochschulen, die längst auch Lernplattformen und Online Learning bereitstellen.
  • Auch soziale Träger wie die Caritas haben in diesem Fall einen eigenen caritascampus.
  • de ist ein Anbieter aus der Privatwirtschaft, der unter anderem ebenfalls kostenlose Seminare anbietet.
  • Die IHK bietet Weiterbildungen und auch umfangreiche Beratungen dazu an, inklusive Hinweise zu Fördermitteln.
  • Auf der Onlinepräsenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gibt es Beratungsangebote zu Weiterbildungen, beispielsweise auch für Menschen mit Migrationshintergrund oder Hörgeschädigte. Hier kann man auch einfach mal anrufen.

Wer in Social Media und auf den Business-Netzwerken gut vernetzt ist, dürfte nicht nur in Krisenzeiten ebenfalls interessante und möglicherweise nicht jedem bekannte Angebote finden. Die Anzahl von Gruppen zu Weiterbildungen etwa auf Facebook ist sehr groß.

Tipps zum Lernen

Die Form des Lernens am Bildschirm – erst recht alleine am Schreibtisch – ist eine Form, die für Menschen mittleren Alters aufwärts nicht selten noch ungewöhnlich ist. Sie erfordert ein besonderes Maß an eigener Disziplin und Motivation. Beides bedingt einander. Ohne Disziplin bleibt man schnell auf halber Strecke liegen. Ohne Motivation ist es fast unmöglich, Disziplin zu bewahren.

Ganz gleich, ob Sie sich im Online-Seminar oder nur auf sich selbst gestellt weiterbilden: Suchen Sie sich einen „Verbündeten“! Das kann ein weiterer Teilnehmer derselben Weiterbildung sein, eine Gruppe, oder jemand aus einem ganz anderen Bereich.

Überprüfen Sie gegenseitig Disziplin und Lernfortschritte. Fragen Sie sich gegenseitig vorbereitete Inhalte ab. Interessieren Sie sich ein kleines bisschen für die Inhalte des anderen. Aber nutzen Sie solche Kontakte auch, um sich bei Bedarf aus einem Motivationsloch wieder herauszuholen. Das muss gar nicht vor Ort stattfinden. Auch telefonisch oder online funktionieren solche Verbindungen sehr gut.

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