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Am 19. September 2020 um 12 Uhr wäre sonst wieder der Spruch, „O‘ zapft is‘!“, über die Theresienwiese gehallt. Aber dieses Jahr stehen keine Zelte auf der „Wiesn“ und es werden keine Millionen Gäste das Areal in der Münchner Innenstadt fluten.

25 Mal kein Oktoberfest

Doch es ist nicht das erste Mal, dass das Oktoberfest nicht stattfindet. 25 Mal gab es kein Fest auf dem Gelände – zweimal übrigens wegen der Cholera. Dieser Krankheit fiel sogar Königin Therese, Namensgeberin der Theresienwiese, zum Opfer.

Auch während der Kriege, vom Preußisch-Österreichischen bis hin zum Zweiten Weltkrieg fand die Wiesn nicht statt.

Ein Pferderennen machte den Anfang

Königin Therese war überhaupt einer der Gründe, warum das erste Oktoberfest 1810 stattfand. Denn anlässlich der Heirat von ihr und Kronprinz Ludwig von Bayern fanden mehrere Veranstaltungen statt. Unter anderem am 17. Oktober ein Pferderennen genau dort, wo sich heute das Festgelände befindet. Man sagt, daraus wäre dann das Oktoberfest entstanden.

Die Wiesn wächst und wächst

Von Jahr zu Jahr kamen mehr Attraktionen zum Pferderennen dazu. 1818 stand das erste Karussell und 1850 gesellte sich die große Bavaria-Statue an den Rand der Theresienwiese. 70 Jahre nach dem ersten Fest, 1880, wurde dann der Bierverkauf offiziell erlaubt und nach und nach entstanden die ersten Bierzelte.

Ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Fest zeitlich verlängert und in die letzten Septembertage vorverlegt. Seither sind eigentlich nur noch die letzten Tage des Festes wirklich ein Oktoberfest. So hoffte man, noch ein paar Altweibersommer-Tage mitnehmen zu können.

Die Elektrizität hält Einzug auf dem Oktoberfest

1885 wurden die Außenbereiche erstmals elektrisch beleuchtet, ein paar Jahre später kam das erste elektrische Fahrgeschäft. 1901 wurden die ersten Zelte mit elektrischem Licht ausgestattet. Somit konnten auch die Abendstunden ausgiebig genutzt werden.

1904 wurden erstmals öffentliche Telefone aufgestellt und es war möglich Telegramme und Briefe von der Wiesn aus zu verschicken. Heute übernimmt das Handy solche Aufgaben.

Millionen Liter Bier

Zum 100. Jubiläum des Oktoberfestes wurden 1,2 Millionen Liter Bier ausgeschenkt. Das ist zwar kein Vergleich zu den 7 Millionen Litern, die zum Beispiel 2019 ausgeschenkt wurden, aber doch schon eine beachtliche Menge. Für eine Maß bezahlte man damals 38 Pfennig. 2019 kostete der Liter zwischen elf und zwölf Euro.

Den traditionellen Anstich am Eröffnungstag um 12 Uhr im Schottenhamel-Festzelt gibt es seit 1950. Den Bieranstich übernimmt der Münchner Oberbürgermeister. Die große Frage ist immer, wie viele Schläge er braucht, um das erste Fass anzuzapfen. Wobei der amtierende Bürgermeister Dieter Reiter seit 2015 mit zwei Schlägen auskommt. Die erste Maß bekommt dann der bayerische Ministerpräsident. Vorher darf in keinem Zelt Bier ausgeschenkt werden.

Mit dem Anstich werden am Fuße der Bavaria zwölf Böllerschüsse abgegeben, das Zeichen für alle anderen Wirte, dass sie nun auch mit dem Ausschank beginnen dürfen.

Braune Wiesn

Auch die Nazis konnten in den 1930er Jahren nicht ihre Hände von der Wiesn lassen. Juden war es verboten auf dem Oktoberfest zu arbeiten und im letzten Jahr vor dem Krieg, 1938, wurde es in „Großdeutsches Volksfest“ umbenannt. Während des Krieges fand dann, wie anfangs schon erwähnt, kein Fest statt.

Pferderennen nur noch Nebensache

Das ursprüngliche Pferderennen verlor immer mehr an Bedeutung und Beachtung und wurde nach dem Krieg gar nicht mehr fortgeführt. Mit Ausnahme zum 150. und 200. Oktoberfest-Jubiläum. Heute erinnert nichts mehr an die Ursprungsveranstaltung und es wird eigentlich fast jeder Meter für die anderen Attraktionen, die großen und kleinen Bierzelte und die dafür notwendige Infrastruktur ausgenutzt.

Wer noch ein bisschen historisches Wiesn-Flair genießen will, der besucht die „Oide Wiesn“, die seit 2010 am südlichen Ende der Theresienwiese zu finden ist. Hier wird Bier noch im Steinkrug serviert und es finden sich alte Fahrgeschäfte und andere historische Attraktionen. Während das Oktoberfest selbst keinen Eintritt kostet, werden für den Besuch der „Oiden Wiesn“ drei Euro fällig.

Gerade an Tagen, an denen das Oktoberfest aus allen Nähten platzt, hat man dafür hier noch die Chance, einen Tisch in einem der Festzelte oder Biergärten zu ergattern.

Die großen und die kleinen Zelte

Auf dem Oktoberfest gibt es 14 große und 21 kleine bis mittelgroße Bierzelte. Das größte ist das Hofbräu-Zelt und fasst mit dem dazugehörigen Biergarten 10.000 Besucher. Auf der Wiesn darf nur Bier ausgeschenkt werden, das in München gebraut wird. Zusätzlich gibt es noch weitere Bedingungen, die an die Brauereien gestellt werden, wenn sie auf dem Oktoberfest ihr Bier ausschenken wollen. Unter anderem muss die Brauerei leistungsfähig sein und es muss sich um eine Traditionsbrauerei handeln.

Es wird zum Beispiel auch vorausgesetzt, dass sich die entsprechende Brauerei beim traditionellen Festumzug, der immer am ersten Wiesn-Sonntag stattfindet, beteiligt und hier Kutschen und Pferde bereitstellt.

6 Brauereien haben es auf die Wiesn geschafft

Durch diese doch etwas schärferen Bedingungen kommt es, dass es eben nur sechs verschiedene Brauereien in die Zelte geschafft haben: Augustiner, Paulaner, Spaten, Hacker-Pschorr, Hofbräu und Löwenbräu.

Wenn alles gut läuft, könnte allerdings in den nächsten Jahren mit Giesinger ein neues Bier hinzukommen. Die Münchner arbeiten hart daran, die Voraussetzungen für die Ausschankberechtigung auf der Wiesn zu erfüllen.

Verständlich, winkt mit einem Zelt auf der Wiesn natürlich nicht nur ein enormer Image- und Marketing-Effekt. So lässt sich dem Ausschank auch ordentliches Geld verdienen. Während des Oktoberfestes trinkt jeder Besucher und jede Besucherin im Schnitt ungefähr eine Maß Bier. 2019 kamen 6,3 Millionen Besucher.

Corona verhindert eine friedliche Wiesn 2020

Ironie des Schicksals ist wohl, dass etwas, das so heißt, wie eine bekannte internationale Biermarke, das größte Volksfest der Welt in die Schranken weist. Aber am Ende war es wohl die einzig richtige Entscheidung, gerade wenn man sich die wieder ansteigenden Infektionszahlen anschaut.

Sommer in der Stadt und Wirtshaus-Wiesn

Als kleine Alternative veranstaltet die Stadt München den „Sommer in der Stadt“. An einigen Plätzen der Stadt haben Schausteller hier bis zum 04. Oktober ihre Fahrgeschäfte aufgebaut und es gibt „Pop-Up-Biergärten“.

Zusätzlich gibt es während der Wiesn-Zeit die „Wirtshaus-Wiesn“, mit der – im Rahmen der Hygiene-Regeln – in einigen Gasthäusern zumindest ein wenig Wiesn-Stimmung aufkommen sollte.

Und hoffentlich kann es dann nächstes Jahr zu dieser Zeit wieder heißen: „Auf eine friedliche Wiesn!“

 

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