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Die Vorlieben verschiedener Kulturen könnten unterschiedlicher kaum sein: vom Fernen Osten, über Afrika, Europa bis in die tropischen Regenwälder Südamerikas herrscht eine riesige Vielfalt an Speisen und Getränken. Aber auf eines können die Menschen offenbar nirgendwo verzichten: einen frisch aufgebrühten Kaffee. Seit mehr als fünfhundert Jahren werden die aus Afrika stammenden Kaffeebohnen im Rest der Welt geröstet, gemahlen, aufgekocht und genossen. Das aromatische Getränk dient als Wachmacher zum Frühstück, als Anreger zum nachmittäglichen Klönen und als Verdauungshilfe nach einer schweren Mahlzeit. Aber ist das kräftige Gebräu überhaupt gut für uns?

Im Kaffee stecken Tausende Inhaltsstoffe

Tatsächlich gibt es zu der Frage, wie gesund oder ungesund Kaffee ist, viele Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen. Im Kaffee stecken über tausend chemische Stoffe, die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben – nicht alle davon sind bisher genau untersucht. Das Alkaloid Koffein ist sicher der bekannteste Inhaltsstoff. Ein weiterer Bestandteil sind Chlorgensäuren. Diese sollen ebenfalls zum Wachsamkeitseffekt beitragen, stehen aber im Verdacht, für Magenprobleme bei Kaffeetrinkern verantwortlich zu sein. Wissenschaftlich ist dies jedoch nicht gesichert. Daneben stecken noch Proteine, Mineralstoffe, Öle und Hunderte Aromastoffe in dem dunklen Aufguss.

Menschen reagieren unterschiedlich auf die einzelnen Bestandteile dieser kräftigen Mischung. Dazu kommen verschiedene Faktoren wie Lebensgewohnheiten, Ernährung, Dosierungen, Bohnensorten und Zubereitungsarten. Da ist es nicht sehr verwunderlich, wenn Hunderte Forschungsteams im Laufe der Jahrzehnte zu uneinheitlichen Ergebnissen kommen. Es gibt aber auch eine Reihe von Gesundheits-Mythen, die durch neuere Studien entzaubert wurden – wie zum Beispiel, dass Kaffee entwässernd wirke oder sogar krebserregend sei.

Neue Studien: Kaffee ist nicht krebserregend

So wurde Kaffee 1991 von der Weltgesundheitsorganisation WHO auf die Liste der möglich krebserregenden Substanzen gesetzt. Lange war es nicht sicher, ob der schwarze Sud für manche Tumorarten verantwortlich sei. Inzwischen können Kaffeeliebhaber allerdings beruhigt sein. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass regelmäßiger Kaffeegenuss nicht zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Offenbar waren in früheren Studien viele Raucher unter den Teilnehmern, was in den Auswertungen nicht genug berücksichtigt wurde. Heute sind viele Forscher sogar überzeugt, dass Kaffee dank der darin enthaltenden Antioxidantien vor diversen Krebsarten schützt. Diese Stoffe – darunter die Chlorgensäuren – fangen freie Radikale ein und schützen Zellen und DNA. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass allzu heißer Kaffee – genau wie andere brühende Lebensmittel – zu Entzündungen im Körperinneren führen kann, was das Krebsrisiko wiederum steigen lässt.

Ungefährlich für den Magen

Einmal getrunken, landet der Kaffee im Magen. Ist dieser ansonsten leer, kann das Getränk zu einer gesteigerten Säureproduktion anregen, was zu Sodbrennen und ähnlichen unangenehmen Erscheinungen führen kann. Ernsthafte Erkrankungen sind aber bei normalen Mengen nicht zu befürchten. Wer durch seinen Kaffeekonsum leichte Magenprobleme bekommt, sollte diesen erst mit oder nach dem Frühstück trinken und kann eine mildere Sorte oder ein schonenderes Röstverfahren probieren. Bei chronischen Magenschmerzen sollte man einen Arzt über seine Ernährungsgewohnheiten informieren.

Anregend fürs Herz

Und was ist mit den Auswirkungen von Kaffee auf das Herz-Kreislauf-System? Immerhin sorgt koffeinhaltiger Kaffee ja für einen tüchtigen Energieschub im Körper, ist das nicht auf Dauer schädlich? Auch hier gibt die neuere Forschung Entwarnung. Eine Studie der Queen Mary University of London von 2019, besagt, dass Kaffee nicht, wie früher vermutet wurde, zu versteiften Arterien führt – selbst bei sehr hohem Konsum von 25 Tassen am Tag. Und ein 2020 im New England Journal of Medicine erschienener Forschungsüberblick zieht das Fazit, dass es eine große Menge an wissenschaftlichen Nachweisen gibt, die belegen, dass Kaffeegenuss zu keinem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Im Gegenteil, drei bis fünf Kaffeetassen am Tag werden eher mit gesenktem Risiko für diverse chronische Krankheiten in Verbindung gebracht. Auch Diabetiker können ungezuckerten Kaffee trinken, die Inhaltsstoffe sollen den Glukosestoffwechsel sogar positiv beeinflussen.

Kaffeeabhängigkeit ist real

Wie bei allem im Leben ist es wichtig, auch beim Kaffee nicht maßlos zu werden. Wer sich täglich auf mehrere Kannen verlässt, um auf Trab zu bleiben, muss damit rechnen, richtig schlecht drauf zu sein, wenn der heiß geliebte Kaffee einmal nicht verfügbar ist. Kopfschmerzen, depressive Stimmungen, Erschöpfung und Schlaflosigkeit können die Folgen bei einem plötzlichen Entzug von Koffein sein. Koffeinsucht ist meist zwar nicht so schlimm wie manch andere Drogenabhängigkeit, kann einen aber dennoch aus der Bahn werfen. Wer merkt, dass sein Kaffeegenuss überhandgenommen hat, sollte daran arbeiten, diesen zurückzuschrauben.

Nicht für alle geeignet

Für einige Menschen hat Kaffeekonsum negative Auswirkungen. So regt Kaffeegenuss unter anderem die Produktion von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol an. Das ist in geringen Mengen nicht bedenklich und sogar gewollt – wenn etwa bei der Arbeit oder beim Sport erhöhte Leistung und Konzentration abgerufen werden soll. Menschen, die unter Angststörungen oder erhöhten Stresserscheinungen leiden, sollten bei ihrem Konsum aber besser achtsam sein, da ihre Symptome dadurch verstärkt werden können.

Kaffee hemmt die Aufnahme von Eisen in den Körper. Deswegen sollten besonders Menschen, die zu Eisenmangel neigen, wie Vegetarier und Jugendliche, darauf achten, nicht zu viel Kaffee mit ihrem Essen zu trinken. Schwangeren wird geraten, auf ihren täglichen Kaffee zu verzichten, da zu viele der anregenden Stoffe schlecht für die Fruchtentwicklung sind.

Gerne mit Kaffee in den Tag

Grundsätzlich lässt sich also sagen, dass Kaffee nur in bestimmten Fällen ungesund ist und in den meisten Fällen sogar zu einer gesunden Ernährung beitragen kann. Selbst wer täglich mehr als drei bis vier Tassen trinkt, braucht sich im Regelfall keine Sorgen zu machen. Wer sich aber ständig gereizt fühlt, mit Angstgefühlen konfrontiert ist oder unter Schlafstörungen leidet, sollte es mal eine Weile ohne Kaffee probieren. Das Gleiche gilt für Menschen, die an körperlichen Beschwerden wie Magenschmerzen oder Erschöpfungszuständen leiden.

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