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Ganz gleich, wo man hinschaut und hinhört, im Wesentlichen lassen sich drei materielle Zustände definieren, die unsere Lebenshaltung hierzulande kennzeichnen.

Stufe 1: Grundversorgung

In Deutschland ist eine materielle Grundsicherung, Sozialhilfe oder Hartz IV unter gewissen Bedingungen beanspruchbar. Dazu zählt, dass man sich bei den entsprechenden Behörden meldet. Gleichzeitig ist das der Grundgedanke einer Solidargemeinschaft.

Diese Grundversorgung soll eine materielle Lebensbasis sichern: Wohnen, Nahrung, Kleidung, Bildung und medizinische Grundversorgung. Zusätzlich sollen auch Aktivitäten unterstützt werden, die dazu führen, aus dieser Situation wieder herauszukommen. Damit sind in der Regel Aus- und Fortbildungen sowie die Suche nach einem Job gemeint.

Stufe 2: Komfort

Dieser Zustand ist mit einem Einkommen verbunden, das eine materielle Lebensplanung erkennbar über der Grundsicherung ermöglicht. Dazu zählen zusätzlich Hobbys, die ein oder andere Urlaubsreise, mehr Kleidung als nötig und eine Inanspruchnahme von Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten, ohne jedes Mal den sprichwörtlichen Euro umdrehen zu müssen.

Vergleicht man übrigens Kostenaufstellungen von Institutionen, bei denen diese Frage zum Kerngeschäft zählt, kann man feststellen, dass die Definitionen von „Lebenshaltungskosten“ auf dieser Stufe angesiedelt sind, nicht auf Stufe 1. Zu diesen Institutionen zählen vor allem Banken, Versicherungen und Wohlfahrtinstitutionen.

Stufe 3: Luxus

Als Luxus bezeichnen viele Menschen einen Zustand, in dem man sich über Ausgaben für weit mehr als die Dinge des täglichen Bedarfs grundsätzlich keine Gedanken machen muss. Nicht untypisch hierfür sind die problemlose Bereitstellung von mindestens 30 Prozent Eigenkapital beim Immobilienkauf, mehrere Reisen oder Fernreisen pro Jahr, Aktiendepots und ein Leben im Alter, bei dem der Lebensstandard aus der Einkommensphase erhalten bleibt.

Um diese Stufen mit Leben zu füllen, ziehen wir statistische Werte heran – Durchschnittskosten. Diese Durchschnittskosten ähneln sich bei den genannten Einrichtungen größtenteils. Und das trotz großer regionaler Unterschiede, besonders hinsichtlich der Kosten für Wohnraum.

Das kostet ein durchschnittliches Leben in Deutschland

Nach einer weit verbreiteten Faustregel, sollte die Kaltmiete einen Anteil von 30 bis 40 Prozent des Nettoeinkommens nicht überschreiten. Das bedeutet, dass man bei einem Einkommen von 1.500 Euro netto nicht mehr als 500 Euro für den Wohnraum ausgibt. In Bezug auf eine eigene Wohnung mag das in Städten wie beispielsweise Duisburg noch funktionieren und in Leipzig kein Stirnrunzeln hervorrufen. Und Leipzig liegt statistisch dahingehend keineswegs am unteren Rand. In Stuttgart oder auch kleineren Städten wie Münster sieht es hingegen ganz anders aus und in München brauchen Sie mit diesem Budget auch gar nicht erst nach einem WG-Zimmer zu suchen.

Nach Vergleichen bei Banken, Wohlfahrtseinrichtungen und Versicherungen haben wir folgende, durchschnittliche Lebenshaltungskosten pro Monat und pro Person zusammengestellt. Alle sieben nachfolgenden Kategorien findet man fast immer:

  • Wohnen und Energie: 650 Euro
  • Ausgaben für Lebensmittel pro Woche: zwischen 50 Euro (Discounter) und 100 Euro (Bio-Laden).
  • Dienstleistungen inklusive Telekommunikation und Rundfunk: 70 Euro
  • Mobilität, private und öffentliche Verkehrsmittel: 170 Euro.

Diese vier Kostenpunkte sinken natürlich mit jeder hinzukommenden Person im Haushalt.

  • Freizeit, Kultur, Sport und Bildung: 170 Euro
  • Gaststätten, Restaurants: 70 Euro
  • Bekleidung und Schuhe: 60 Euro

 

Allerdings entspricht die Summe der beobachteten Einzelkosten (hier: 1.265 Euro) oft nicht den gleichzeitig angegebenen Gesamtausgaben zur Lebenshaltung. Die sind bei allen Institutionen etwa bei 1.500 bis 1.600 Euro angesetzt. Das liegt übrigens deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn von 9,35 Euro bei einer 40 Stundenwoche und angenommenen 20 Arbeitstagen. Denn davon werden noch die Beiträge für die Kranken-, Pflege-, Renten- und die Arbeitslosenversicherung abgezogen.

Sicherheit nur gelegentlich ein Thema

Interessant wird es bei nur gelegentlich angegebenen Kategorien wie etwa: Gesundheit. Nicht selten sind hier Pflegemittel, Arzneimittel und Dienste gemeint, die die Krankenkasse nicht übernimmt.

Versicherungsleistungen sind bei Banken und Wohlfahrtsinstitutionen zuweilen nicht extra aufgeführt. Dabei umfasst etwa das Thema private Altersvorsorge neben Versicherungen auch Aktien, Vermögensanlagen oder Immobilien. Ohne zusätzliche private Altersvorsorge oder vorhandenes Erbe ist Altersarmut für viele Menschen eine nicht unwahrscheinliche Perspektive.

Es gibt Versicherungen, die sind nach unserer Einschätzung unverzichtbar:
Private Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung, aber oft auch Hausrat und Zahnersatz. Allein das zusammen beläuft sich schnell auf 80 bis 100 Euro pro Monat. Bei Familien mit nur einem oder sehr unterschiedlichen Einkommen ist eine Lebensversicherung dringend anzuraten.

Versicherungen, die im Bedarfsfall nicht unbedingt den privaten Ruin zur Folge haben, zählen aus unserer Sicht nicht dazu.

Die bisherige Berechnungsgrundlage sollte sich verändern

Alle bis hier aufgezeigten Angaben sind aus unserer Sicht seriös und nachvollziehbar. Doch reicht der Rahmen, den wir dafür verwendet haben, aus um die Fragen nach den Kosten für das Leben nachhaltig zu beantworten? Ohne das sprichwörtliche Fass der globalen Situation der Menschheit zu weit öffnen zu wollen, stehen wir kurz vor einem Punkt, an dem sich die Menschen auch in Europa fragen müssen, ob die Qualität ihrer Lebenshaltung weiter auf dem Niveau der letzten 40 bis 50 Jahre bleiben kann – unabhängig vom Geld.

Der Bereich Lebensmittel zeigt sich aktuell als ein gutes Beispiel, bei dem wir umdenken müssen. Dabei geht es nicht darum, Qualitätsverluste bei Lebensmitteln hinzunehmen. Es geht darum, dass wir langsam die Auswirkungen von Billig-Nahrungsmitteln zu spüren bekommen. Billig-Fleisch ist seit Jahren ein Thema mit globaler Bedeutung, wenn man Faktoren wie die ökologischen Folgen des Anbaus für Tierfutter oder den dafür nötigen Wasserverbrauch bedenkt. Die Angaben etwa des WWF und des Verbands Deutscher Tiernahrung sind höchst komplex, sicher nicht unschlüssig, gehen aber diametral auseinander – von akut gefährlich bis völlig bedenkenlos. Das können nur noch hochkompetente Fachleute wirklich beurteilen.

Deutlicher und nachvollziehbarer wird die Annahme, dass wir so nicht weiterleben können wie bisher, wenn man unter anderem den Verbrauch der natürlichen Ressourcen pro Jahr betrachtet. Der Tag, an dem die Menschen die natürlich vorkommenden Ressourcen pro Jahr verbraucht haben, bezeichnet man als Earth Overshoot Day.

Das Umweltbundesamt steht dahingehend sicher nicht im Verdacht, kompetenzlos einen einseitigen ideologischen Standpunkt einzunehmen. Nach deren Angaben lag der Earth Overshoot Day für Deutschland für 1987 noch am 19. Dezember des laufenden Jahres. 2019 lag er bereits am 3. Mai des laufenden Jahres. Damit hat die Frage, was das Leben kostet, in wenigen Jahrzenten eine ganz neue Dimension erhalten.

Fazit:

Das Leben in Deutschland kostet Zeit, Nerven und im Schnitt etwa 1.500 bis 1.600 Euro pro Monat und pro Person. Doch aktuell stellen sich uns daran angebunden zwei weitere Fragen: Ist in den 1.500 bis 1.600 Euro auch der dauerhafte Erhalt der Grundvoraussetzungen für unser derzeitiges Niveau der Lebendhaltung enthalten?  Und verteuern wir mit unseren Ansprüchen das Leben nachfolgender Generationen, unserer Kinder und Enkel, in einer Weise, die das Leben für sie vielleicht bald nicht mehr bezahlbar macht?

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