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„Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund“, mit Ihrem Zitat bringt Hildegard von Bingen das, was Hunde für uns tun, genau auf den Punkt. Denn unsere Vierbeiner haben einfach eine ganz besondere Gabe: Sie begegnen ihrem Gegenüber völlig unvoreingenommen, reagieren sensibel auf Stimmungen und Gefühle, stärken das Selbstvertrauen und helfen uns Ängste und Stress abzubauen. Etwas von dem wir als Menschen oftmals nur träumen können.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Hunde vielfach in Therapien eingesetzt werden, um Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen zu unterstützen und zu helfen.

Was unterscheidet einen Therapiehund von einem Assistenzhund?

Wer bei Therapiehunden nun aber an den klassischen Blindenführhund denkt, liegt dabei leider nicht ganz richtig. Bei Blindenführhunden handelt es sich um sogenannte Assistenzhunde (auch Servicehunde genannt), die speziell für einen Menschen und seine persönlichen Bedürfnisse ausgebildet werden. Sie übernehmen gezielte Aufgaben, um diesen in seinem Alltag zu unterstützen.

Oftmals begegnet man ihnen im Straßenverkehr, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen. Sie ersetzen ihren Besitzern zwar nicht das Augenlicht, aber gleichen bestimmte Funktionen aus, indem sie grüne Ampeln, Treppen oder Türen anzeigen. Im Gegensatz zu Therapiehunden haben Assistenzhunde auch Zugang zu Orten, wo Hunden der Zutritt sonst streng untersagt ist. In Supermärkten, Behörden oder sogar in Flugzeugen.

Assistenzhunde leben als Familienmitglied fest bei ihren Menschen und sind nur für sie da.  Neben Blindenführhunden gibt es zum Beispiel auch Diabetiker-, Epilepsie-, oder Narkolepsie-Frühwarnhunde, die auf bestimmte Reize reagieren und ihren Besitzer schützen können.

Therapiehunde hingegeben bilden mit ihrem Halter ein Team und besuchen Menschen mit mentalen oder motorischen Beeinträchtigungen über einen gewissen Zeitraum hinweg. Durch ihre Anwesenheit oder körperliche Zuwendung können sie einen wertvollen Beitrag leisten und tun den Menschen sichtlich gut. In ihrer „Freizeit“ sind sie ganz normale Haustiere und Begleiter.

Wann kommen Therapiehunde zum Einsatz?

Gerade Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps profitieren enorm von einer tiergestützten Therapie. Man merkt ihnen förmlich an, wie sie in Anwesenheit eines Hundes aufblühen und ihnen regelrecht Leben eingehaucht wird.

Ein Therapiehund kann bei den verschiedensten Therapien unterstützen. So zum Beispiel in Psycho-, Ergo-, Lern- oder auch Sprachtherapien. Dabei macht es eigentlich keinen Unterschied, ob es sich bei den Patienten um Kinder, Erwachsene oder Senioren handelt. Jeder reagiert auf unterschiedliche Merkmale des Hundes. Gerade bei Senioren spielen Erinnerungen an eigene Hunde oder vergangene Zeiten eine große emotionale Rolle.

Wichtig ist jedoch, dass der Hund dem Therapeuten lediglich assistiert. Sprich seine Anwesenheit ist nicht zwingend notwendig, um das Therapieziel zu erreichen.

Wie arbeiten Therapiehunde?

Wie muss man sich die Arbeit eines Therapiehundes vorstellen? Wird er denn nicht einfach nur gefüttert oder gestreichelt?

So oder so ähnlich stellen sich die meisten von uns die Arbeit eines Hundes vor, wenn er in Kontakt mit Kindern oder Senioren steht. Dabei kann ein Hund innerhalb seiner Möglichkeiten deutlich mehr leisten. Je nach Krankheitsbild oder Therapieform erfolgt seine Arbeit in aktiver oder in reaktiver Form.

Bettlägerige oder mehrfachbehinderte Menschen reagieren bereits, wenn sich der Hund lediglich neben ihnen ablegt und zu einer Berührung animiert. Patienten mit geistigen oder körperlichen Handicaps werden durch den Hund aus Depression oder Lethargie geholt, indem er sie aktiv zum Spiel auffordert. Das Selbstbewusstsein oder die Feinfühligkeit werden trainiert, wenn der Hund spazieren geführt oder gebürstet werden darf. Der Fantasie der Einsatzzwecke sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache Patient und Tier geht es dabei gut.

Der Besuch des Therapiehunds ist für viele Menschen das Highlight der Woche. Und die Bereitschaft und Motivation aktiv an der Therapie teilzunehmen ist deutlich höher, als wenn sie ein Pfleger oder Angehöriger dazu auffordert.

Was zeichnet einen Therapiehund aus und welche Rassen kommen in Frage?

In ihrer Arbeit kommen Therapiehunde mit sehr unterschiedlichen Menschen in Kontakt, die in ihrer Artikulation Unterschiede oder Besonderheiten aufweisen. Die Tiere treffen auf Personen, die sich „seltsam“ bewegen, laute Geräusche von sich geben, hibbelig oder sehr nervös sind.
All diesen Ausprägungen muss der Therapiehund gelassen gegenübertreten und darf keine Angst oder Scheu zeigen. Er befindet sich in ihm unbekannten Umgebungen oder Räumen und trifft auf (medizinische) Gerätschaften, mit denen andere Vierbeiner sonst ihr Leben lang nicht in Berührung kommen.

Daher gibt es automatisch bestimmte Anforderungen, die an einen geeigneten Therapiehund gestellt werden. Neben einer ausgeprägten Gelassenheit und Friedfertigkeit sollte der Hund eine enge Bindung zu seinem Halter haben und offen und freundlich auf Fremde zugehen. Ein guter Grundgehorsam und eine Leinführigkeit sollten eine Selbstverständlichkeit sein, ebenso wie ein gutes Sozialverhalten – auch Artgenossen gegenüber.

Rassen, die über starkes Territorialverhalten oder einen Schutzinstinkt verfügen, sollten tendenziell eher nicht zu Therapiezwecken eingesetzt werden.

Hinsichtlich der Größe gibt es keine zwingenden Vorgaben. Ein kleinerer Vertreter eignet sich besser dazu, auf dem Schoß zu sitzen oder mit dem Patienten im Bett zu liegen. Ein großer Vertreter ist besser bei Personen geeignet, die eher grobmotorisch veranlagt sind.

Folgende Rassen erfreuen sich in tiergestützten Therapien großer Beliebtheit: Labrador Retriever, Golden Retriever, Australian Sheperd, Beagle, Pudel oder auch der Border Collie.

Wie läuft die Ausbildung zum Therapiehund ab?

Hundehalter, die sich entscheiden, mit ihrem Hund in tiergestützten Therapieformen zu arbeiten, haben im Idealfall bereits eine therapeutische oder pädagogische Ausbildung und arbeiten in einem dieser Berufe.

Unterschiedliche Institute und Verbände bieten spezielle Lehrgänge an, um Hund und Halter in einer Mischung aus Theorie und Praxis auf ihre gemeinsame Arbeit vorzubereiten. Aber bereits als Welpe sollte der Vierbeiner frühzeitig an unterschiedlichste Situationen und Menschen herangeführt werden und lernen, dass das Zusammensein mit ihnen ein absoluter Jackpot ist.

Nach erfolgreich bestandener Prüfung kann das Mensch-Hund-Team ihre Dienstleistung dann Krankenhäusern, Senioren- und Pflegeheimen oder auch Therapiepraxen anbieten. Als Faustregel gilt, dass der Vierbeiner täglich maximal 45 Minuten „arbeiten“ und maximal drei Mal die Woche im Einsatz sein sollte. Denn am Ende sollten aber immer auch das Wohl und der Spaß des Hundes im Vordergrund stehen.


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