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„Die Renten sind sicher“, sagte einst der Bundesarbeitsminister Norbert Blühm. Das mag noch stimmen. Aber ob die Rente in Zukunft noch zum Leben reicht, ist nicht sicher.

Die Altersgruppen verschieben sich

Einer der zentralen Aspekte, warum man in dieser Zeit als Berufseinsteiger an seine Vorsorge denken sollte, liegt in einem System, das generationenübergreifend funktioniert. Dabei muss man Zahler und Empfänger voneinander trennen. Denn von den eigenen Einzahlungen in die Rentenkasse, werden auch die Renten der aktuellen Empfänger finanziert – wenn man es vereinfacht darstellt. Man zahlt also nicht nur für sich selbst ein.

Die Anteile der Altersgruppen verschieben sich dahingehend, dass es wie seit Jahrzehnten mehr ältere und weniger jüngere Menschen geben wird. Eine Schere, die in beiden Richtungen aktiv ist. Das wird zu einem Problem, wenn es zu wenige Einzahlungen und vergleichsweise zu viele Auszahlungen zur selben Zeit gibt.

Eine zentrale Ursache dafür liegt im sogenannten „Pillenknick“. Von 1955 bis 1970 wuchs die deutsche Bevölkerung stark an. Danach gingen die Geburtenraten deutlich zurück – nicht nur, aber auch eingedenk der Einführung der Verhütungspille und dem verzögerten Wegfall ihrer gesellschaftlichen Ächtung. Zwar findet unter anderem in den letzten 20 Jahren wieder ein Anstieg der Geburtenrate statt – 2016 wurden mit 800.000 Kindern ungefähr so viele geboren wie 1973 – aber nach derzeitiger Regelung wird der Jahrgang 1970 erst im Jahr 2037 in Rente gehen und sie ja auch noch ein paar Jahre lang beziehen. Auch die durchschnittliche Lebenserwartung steigt.

Versorgung im Alter

Im Groben kann man die konventionelle staatliche Versorgung im Alter wie folgt aufteilen: Rentner erhalten ihren Lebensunterhalt aus der Rentenkasse und ehemalige Beamte vom Staat. Einige freie Berufe wie Ärzte, Apotheker, Architekten, Anwälte, Notare, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer beziehen ihre Rente aus dem jeweiligen berufsständischen Versorgungswerk.

Im Juli 2020 lag die Standardrente der gesetzlichen Rentenversicherung durchschnittlich bei ca. 1500 Euro brutto im Monat. Ohne private Vorsorge stellt sich die Frage, wer sich mit diesem Betrag die Lebenshaltungskosten im Alter leisten kann. Das beinhaltet zunächst einmal die Kosten für die Grundversorgung, wie Wohnen, Nahrung und Kleidung. Bleibt dann noch Geld für Freizeitaktivitäten und den ein oder anderen Urlaub?

Hinweise auf Probleme bei der staatlichen Rente

Wie problematisch die aktuelle Entwicklung der gesetzlichen Rente von der Politik eingeschätzt wird, zeigt beispielsweise ein Ansatz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. 2019 waren etwa drei Millionen Selbständige und Freiberufler in keinem Rentensystem pflichtversichert. Das bedeutet, sie müssten ihre Altersvorsorge komplett aus eigenen Mitteln finanzieren oder kommen in die Grundsicherung.

In absehbarer Zeit sollen Selbständige und besonders Freiberufler zur Altersvorsorge verpflichtet werden – vorzugsweise durch Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse. Die Alternativen, die parallel angeboten werden sollen, sind überschaubar. Dazu zählen beispielsweise die Rürup-Rente als Pendant zur Riester-Rente für Angestellte sowie das Modell der Künstlersozialkasse.

Schmerzen Berufseinsteiger ein paar Euro für die Altersvorsorge?

Der Grundgedanke einer immer mehr in den Fokus gestellten privaten Altersvorsorge liegt darin, für das eigene Alter Gelder zurückzulegen. Das bringt Berufseinsteiger aber auch in eine neue Lebenssituation, die viele von ihren Eltern kennen. Denn Investitionen in die private Altersvorsorge standen vor 30-40 Jahren noch weit hinter anderen Dingen zurück: Versicherungen, Vermögen, Familienplanung und so weiter. Sich vom Gehalt etwas gönnen im Sinne von: Sommerurlaub, ein Hobby, ein Auto und ähnliches.

Zwar wird für einige Modelle der privaten Altersvorsorge mit dem Motto „sind doch nur ein paar Euro pro Monat“ geworben, aber das gilt im Prinzip für jedes Versicherungsangebot. Die Summe aus allen Versicherungen ist entscheidend. Aber was sollte ein Berufsanfänger mindestens in seinem Portfolio haben?

  • Private Haftpflichtversicherung
    Diese ist zwar freiwillig, aber unverzichtbar. Leistungsstarke Versicherungen kosten zwischen 50 und 100 Euro pro Jahr, sogar wenn man Familienmitglieder mitversichert.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
    Sie tritt ein, wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann – etwa durch physische oder psychische Erkrankungen. Auf die staatliche Erwerbsminderungsrente hat zwar jeder einen Anspruch, aber zum Leben reicht sie nicht aus.
  • Optional: Hausratsversicherung
    Wenn man als Berufseinsteiger einen neuen Hausstand gründet, werden nicht selten viele Dinge in kurzer Zeit angeschafft. Je nach Einkommenslage sollte man etwas Zeit investieren und eine Bedürftigkeitsprüfung vornehmen.

Es ist sicher auch nicht verkehrt, sich einen Notfall-Betrag für Unvorhergesehenes zurecht zu legen. Ein halbes Dutzend monatliche Nettoeinkommen schützen einen im Notfall vor überstürzten Kreditaufnahmen, etwa bei Schicksalsschlägen oder in akuter Not.

Familienplanung und Vermögensaufbau werden oft miteinander verbunden. Seit Generationen spielt hierbei die Anlage in Immobilien eine wichtige Rolle. Nach wie vor gelten private Immobilien, sofern dahinter eine solide Finanzplanung steht, als krisensicher.
Doch Vermögensaufbau und private Altersvorsorge stehen nicht unbedingt im Einklang miteinander. Gerade in Zeiten von Niedrigzinsen verliert das klassische Sparen ohne Risiko an Bedeutung für das Alter. Anlagegeschäfte und mehr oder weniger risikobehaftete Investitionen mit Aktien bieten zwar Chancen für einen Vermögensaufbau, können jedoch nicht die nötige Sicherheit bieten, die für das Leben im Alter notwendig ist.

Betriebliche Altersversorgung für Berufsanfänger attraktiv

An diesem Punkt ist die betriebliche Altersversorgung besonders interessant. Denn ungeachtet unendlich vieler Lebensentwürfe, kann sie mit einem Grundprinzip punkten, das für viele Arbeitnehmer attraktiv ist: Spare jetzt, zahle später.

Während beispielsweise private Rentenverträge ausschließlich vom Versicherungsnehmer, also vom Nettogehalt, finanziert werden, werden die Beiträge a) vom Bruttogehalt abgezogen und b) anteilig vom Arbeitgeber mitgetragen. Durch das niedrigere Bruttogehalt reduzieren sich außerdem Steuern und Sozialabgaben. Das entspricht dem gerade genannten Aspekt „spare jetzt“.

Der Aspekt „zahle später“ kommt in der Auszahlungsphase der betrieblichen Altersvorsorge dadurch zum Tragen, dass diese Gelder dann voll versteuert werden müssen. Dennoch kann man nicht sagen, das Prinzip sei deswegen obsolet. Denn so kann man Steuerausgaben gewissermaßen auf später verschieben.

Fazit

Berufseinsteiger oder Young Professionals sollten sich vergegenwärtigen, dass sie ihren Lebensstandard im Rentenalter kaum aufrechterhalten können, wenn sie sich nur auf die gesetzliche Rente verlassen.

Natürlich gibt es eine Vielzahl an relevanten Faktoren für die Rente, die gar nicht im eigenen Einflussbereich sind. Ein Beispiel dafür ist die stete Zunahme befristeter Arbeitsverträge.

Umgekehrt bietet die betriebliche Altersversorgung bei anderen, unvorhergesehenen Lebenssituationen Vorteile. So können bereits angesparte Beiträge auch dann nicht angetastet werden, wenn man beispielsweise durch längeren Arbeitsverlust in die Grundsicherung fällt.

In jedem Fall lohnt es sich, Vor- und Nachteile einer betrieblichen Altersversorgung bezüglich der persönlichen Lebensplanungen aufzustellen und – soweit in jungen Jahren möglich – abzuwägen. Da es sich um ein Sparmodell handelt, ist klar, dass ein früher Einstieg grundsätzlich immer vorteilhaft ist.


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