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Das Thema Tod hat in Social Media und besonders auf Facebook viele Facetten. Accounts verstorbener Teilnehmer sind plötzlich verwaist, Menschen sprechen über ihre persönliche Trauer. Andere schreiben generell ihre Gedanken über das Sterben nieder. Nicht selten entstehen daraus sehr emotional geführte Dialoge. Wir wollten wissen: Wie nehmen Bestattungsunternehmen die Rolle und Bedeutung der sozialen Medien in diesem Zusammenhang wahr?

Marc Laubach übernahm 2011 in fünfter Generation von seinem Vater die Leitung des Bestattungsunternehmens Hubert Laubach GmbH. Zu diesem Zeitpunkt bereits mit Social Media vertraut, etablierte er das Unternehmen auf Facebook. Wir wollten erfahren, wie er über das Thema Tod und die Menschen, die es im Internet bewegt, denkt.

Wie kamen Sie dazu, Ihr Bestattungsunternehmen auf Facebook zu bringen?

Zu Beginn waren für unsere Facebookseite zwei Überlegungen treibend: Einerseits wollten wir uns von Mitbewerbern absetzen, andererseits gibt uns Social Media die Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die wir sonst wahrscheinlich nicht erreichen würden.

Haben Sie sich dahingehend auch mit Marketing Fachleuten beraten?

Das fand ich interessant. Marketing Fachleute meinten anfänglich zu uns, Bestatter auf Facebook sei keine ideale Kombination. Der Tod erlaube in diesem Umfeld nur dann eine Kommunikation, wenn sie eindeutig positive Emotionen wachrufe, von schönen Erinnerungen bis hin zu allem, was nicht mit Trauer, Verlust und Verarbeitung zu tun habe. Wir haben es trotzdem riskiert und gelernt, dass auch die Beschäftigung mit dem Tod sowie Bewältigung und Verarbeitung von Trauer positive Emotionen freisetzen kann.

Mit welchen Anliegen suchen Menschen auf Facebook den Kontakt zu Ihnen?

Da möchte ich grob in vier Gruppen unterteilen. In der ersten Gruppe sind vor allem Menschen mit persönlichen Anliegen. Dazu gehören beispielsweise Fragen zu Grabstellen oder Grabpflege.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Rückmeldungen zu Trauerfeiern, die wir organisiert haben. Das geschieht häufig bei Verstorbenen, die keine oder keine große Familie haben. Da kontaktieren uns anschließend Freunde und Bekannte mit Feedback oder beispielsweise einem Gruß an die Familie.

Dann: Bewerber! Ja, eine nicht unerhebliche Anzahl an Bewerbungen oder entsprechenden Erstkontakten erreicht uns über Facebook.

In der vierten Gruppe möchte ich die Feedbacks zu unseren Postings auf Facebook zusammenfassen. Da wurden wir von Anfang an positiv überrascht. Offenbar sprechen wir über Dinge, die viele Menschen auch offline beschäftigen.

Welche Themen sprechen Sie im Internet an?

Zu den aktuellen Themen gehören immer wieder „Digitaler Nachlass“ und „Trauerrituale anderer Kulturen“. Ich finde es wichtig, mehr darüber zu erfahren und weiterzugeben, weil unsere Gesellschaft auch kulturell immer bunter wird.

Ein weiteres Thema: „Bestattungsvorsorge“. Jeder sorgt für die Rente vor, aber nicht für das eigene Grab. Das Thema rückt immer mehr in den öffentlichen Fokus.

Der Umgang einer Gesellschaft mit dem Tod spiegelt ihre Werte und das Menschenbild wider. Hat Social Media daran in Deutschland etwas geändert?

Nicht einfach zu sagen. Aus meiner Sicht werden viele Trauerfeiern immer kleiner. In welchem Verhältnis gewollt oder ungewollt, weiß ich nicht. Aber wir Bestatter hatten früher eine weitaus kleinere Rolle. Wir waren eher technische Dienstleister am Rande. Heute werden wir auch beratend viel mehr eingebunden.

Gerade in vielen ländlichen Gebieten, in Dörfern, versammelten sich noch vor Jahrzehnten im Schnitt weit mehr Menschen bei einem Begräbnis. Anwesenheit war nicht selten gesellschaftliche Pflicht!

Die Tatsache, dass das Begräbnis vor Ort heute nicht mehr einen solchen Stellenwert hat, bedeutet aber nicht, dass weniger getrauert wird. Trauer wird oft nur anders gezeigt – in Kondolenzanzeigen oder in Kommentaren auf Facebook.

Hat sich Ihre Kommunikation als Bestatter durch Social Media geändert?

In der Unternehmenskommunikation trennen wir klar zwischen online und offline, im Internet sind wir sehr viel offener und experimentierfreudiger. Man muss trotzdem vorsichtig sein. Am Anfang haben wir noch bei jedem kritischen Kommentar geschwitzt.

Ein anderes Beispiel: 2016 haben wir auf Facebook zum Muttertag in einem kleinen Gewinnspiel einen Blumenstrauß verlost. Da gab es schon einige negative Kommentare, so etwas mache man als Bestatter nicht. Aber die positiven überwogen.

Ist Ihre Branche in Social Media eher Vorreiter oder Nachzügler?

Als Handwerksbetrieb im Mittelstand sehe ich unsere Branche schon als einen Vorreiter. Meiner Beobachtung nach sind wir insgesamt stärker in Social Media vertreten als andere Handwerkszweige.

Es scheint jetzt auch die richtige Zeit für uns zu sein. In den letzten vier bis fünf Jahren haben sich aus meiner Sicht die technischen und rechtlichen Möglichkeiten für Unternehmen speziell auf Facebook deutlich weiterentwickelt.

Welche Entwicklungen und Trends sehen Sie für Bestatter in Social Media? 

Social Media ist generell ein Trend. Als Bestatter ist es wichtig, sich entsprechende Kompetenzen anzueignen. Der Social Media Account des Verstorbenen ist für viele Menschen ein Ersatz für die Grabstelle geworden, Postings ein Ersatz für Trauerkarten.

Seit einigen Jahren hört man in unserer Branche: „Die Bestattungskultur geht verloren!“ – Das sehe ich anders. Es gibt seit gut 20 Jahren zum Beispiel einen wachsenden Wandel von der Erdbestattung zur Feuerbestattung.
Wir sollten uns verpflichtet fühlen, den Wandel mitzutragen und dafür zu sorgen, dass es keine Entsorgungskultur wird, sondern Verabschiedungskultur bleibt. Für dieses Ziel müssen wir die Menschen vor dem Eintritt eines Sterbefalls in ihrem persönlichen Umfeld aktiv ansprechen. Das geht zum Beispiel auf Facebook sehr gut.

Was für Tipps geben Sie Angehörigen im Umgang mit Social Media Accounts ihrer Lieben?

Sprechen Sie in den Familien wieder mehr über Trauer und Bestattungen! Wichtig bei Facebook und Social Media generell: Sprechen Sie vor dem Löschen von Accounts mit Freunden, ob das gewünscht ist. Bestimmen Sie jemanden, der den Account pflegt. Und wenn ein Trauerfall erst einmal eingetreten ist, haben Eltern oder Familie, ganz verständlich, meistens andere Dinge im Kopf als Facebook.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie verstörend es ist, wenn ein Account anschließend nicht gepflegt wird und nach Monaten oder Jahren kommen Menschen darauf mit Grüßen wie „Hey, bist Du tot oder was! Melde Dich doch mal, wie geht‘s Dir denn?“ Dem kann man mit aktiver Pflege des Accounts leicht entgegenwirken.

Eine immer noch gute Möglichkeit der Absicherung besteht darin, auch schon in jungen Jahren eine Liste mit Passwörtern bei einem Angehörigen oder Notar zu hinterlegen. Leider bekommen zum Beispiel Eltern vor dem Hintergrund des gesetzlich verankerten Fernmeldegeheimnisses auch in absehbarer Zeit keinen Zugriff auf Social Media Accounts ihres verstorbenen Kindes.

Insgesamt habe ich den Eindruck, die Gesetzgebung hat in diesem Zusammenhang immer noch einen latenten Aufholbedarf. Vielleicht gibt es auch einfach noch nicht genügend Erfahrungen durch Präzedenzfälle.

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