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Theresa ist erst wenige Minuten alt, als sie im Arm ihrer Mutter stirbt. Ein Riss in der Fruchtblase und eine Infektion im Mutterleib hat die Ärzte in der 18. Schwangerschaftswoche zu einer Notgeburt gezwungen. In Deutschland ist Theresa eines von jährlich wenigen tausenden Säuglingen, die bei ihrer Geburt nicht mehr am Leben sind. Sie werden Sternenkinder genannt, weil sie „den Himmel erreicht haben, bevor sie das Licht der Welt erblicken konnten”. Theresas jungen Eltern, Sonja und Erik, hilft diese Vorstellung dabei, mit dem Verlust umzugehen. Doch es gibt noch mehr, was Betroffene tun können, um ihren Schmerz zu lindern.

„Nach einer solchen Geburt rate ich den Eltern, möglichst bald nach Hause zu gehen und erst einmal die Ruhe zu suchen. Es muss Zeit eingeräumt werden, den Verlust zu verarbeiten”, rät Annette, eine erfahrene Hebamme. Seit zwei Jahrzehnten ist sie Geburtshelferin in einer großen städtischen Klinik und stand schon häufig Familien mit Sternenkindern bei. „Außerdem ist es ratsam, dem verstorbenen Kind einen Namen zu geben. So können die Eltern viel einfacher über ihr Baby nachdenken und sprechen, als es ‘unsere Fehlgeburt’ oder ‘Totgeburt’ nennen zu müssen.” Das sei ihr wertvollster Hinweis für alle Betroffenen.

Aufklärung hilft beim seelischen Heilungsprozess

„Kurz nach der Geburt von Theresa mussten wir uns plötzlich mit Fragen auseinandersetzen, auf die wir niemals vorbereitet waren”, offenbart Sonja, die bereits zwei gesunde Söhne zur Welt gebracht und keine Komplikationen während ihrer dritten Schwangerschaft erwartet hat. Eine der ersten Fragen des jungen Ehepaars drehte sich um das Begräbnis von Theresa: Können Sternenkinder in Deutschland überhaupt bestattet werden?

Lange Jahre wurde diese Frage von deutschen Gesetzen verneint. Bis zum Jahr 2013 musste ein Säugling mindestens 500 Gramm schwer sein, um das Recht auf ein Begräbnis, eine Geburtsurkunde und einen Totenschein zu haben. Sternenkinder, die diese Gewichtsgrenze nicht erreichten, galten vor dem Gesetz schlichtweg nicht als Personen. Mit Änderung des Personenstandsrechts hat sich diese Situation mittlerweile grundlegend verändert: Heute entscheidet nicht mehr das Gewicht über die Art des Begräbnisses eines Sternenkindes. Auch Säuglinge unter 500 Gramm können auf Wunsch beim Standesamt ins Personenregister aufgenommen werden.

Damit steht Eltern wie Sonja und Erik heute die Möglichkeit eines Begräbnisses für ihr Sternenkind offen. In der Regel wird die Organisation und Bestattungen von den zuständigen Krankenhäusern vorgenommen. Hier werden sie nach einer Kremation in Urnen beigesetzt, die dann entweder den Eltern oder Gemeinschaftsgräbern übergeben werden. Die Angehörigen müssen die Kosten dieser Beisetzung normalerweise nicht tragen.

Einige Friedhöfe bieten für die Eltern von Sternenkindern spezielle Grabfelder an, an denen die Hinterbliebenen trauern, aber auch einen Grabstein erwerben und errichten können. Hebamme Annette empfiehlt, sich direkt bei der örtlichen Friedhofsverwaltung nach den jeweiligen Möglichkeiten zu erkundigen: „Es fällt vielen Eltern nicht leicht, diese organisatorischen Aufgaben anzupacken – vor allem deswegen, weil eine große Unwissenheit und Unsicherheit herrscht”, erklärt sie. „Meiner Erfahrung nach ist Aufklärung über die verschiedenen Möglichkeiten zur Trauer und Bestattung ein wertvoller Bestandteil des eigenen Heilungsprozesses.”

Auch Petra Hohn vom Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V. (VEID) weist auf die vielen individuellen Begräbnismöglichkeiten hin, die seit einigen Jahren betroffenen Eltern bei der Trauer helfen können: „Mittlerweile gibt es in jeder größeren Stadt Begräbnisfelder eigens für Sternenkinder, auf denen die Fehlgeburten bestattet werden. Oft arbeiten Kommunen, Kliniken und ehrenamtliche Organisationen zusammen.” Sie erwähnt auch einige alternative Begräbnisriten, die mit den zuständigen Friedhofsverwaltungen organisiert werden können: „Unserer Erfahrung nach sind kleine Rituale hier häufig kein Problem. Manche Eltern lassen symbolisch Luftballons während der Bestattung steigen oder organisieren eine Beisetzung im Waldfriedhof.”

Angehörige als Trauerbegleiter eine wichtige Stütze

Nach der Beerdigung von Theresa vertraut sich das junge Elternpaar Sonja und Erik ihrem engsten Freundeskreis und ihren eigenen Eltern an – eine gute Entscheidung, wie die beiden heute sagen. „Meine beste Freundin war verständnisvoll, aber hat mich auch nicht zu sehr gedrängt, sondern mich in meinem eigenen Tempo erzählen lassen”, erinnert sich Sonja. Auch Petra Hohn wertschätzt dieses Verhalten der Freundin und möchte Angehörigen, die Betroffenen emotional beistehen wollen, einen guten Rat geben: „Kein Elternpaar rechnet mit dem Verlust des Kindes vor dem gelebten Leben. Sie stehen der Situation hilflos gegenüber und sehen sich allein und unverstanden. Statt Ratschlägen sollten Freunde und Familie lieber passive Hilfe anbieten: Aushalten, da sein, unterstützen im Alltag, Bereitschaft zum Zuhören signalisieren.”

Abseits dieser zwischenmenschlichen Gespräche gibt es für Trauernde seit einigen Jahren auch die Möglichkeit, mit Hilfe des Internets Abschied zu nehmen. Zahlreiche Gedenkseiten erlauben Angehörigen von Verstorbenen, einen virtuellen Traualtar einzurichten, der je nach Website anders aussehen und dekoriert werden kann. Hebamme Annette warnt allerdings vor den Nachteilen dieser modernen Art der Trauerbewältigung: „Das Einrichten und Pflegen einer Gedenkseite kann für Elternteile unheimlich belastend sein. Hier sollten Freunde ihre Hilfe anbieten.”

Die Wahl der passenden Gedenkseite sollte nicht überstürzt werden, wie Annette erklärt: „Es gibt dort draußen leider viele Unternehmen, die aus der Trauer ihrer Kunden Profit schlagen wollen. So ist das Anlegen einer persönlichen Gedenkseite oft kostenlos. Ohne regelmäßige Bezahlung wird das Profil aber schon bald wieder aus der Datenbank von Nachrückenden gedrängt und ‘verschwindet’ aus dem sichtbaren Bereich. Eine furchtbare Situation für Angehörige.” Daher rät Annette betroffenen Eltern, direkt in ihrem behandelnden Krankenhaus um Empfehlungen für seriöse Gedenkseiten zu bitten, die zu den individuellen Ansprüchen am besten passen.

„Jeder Abschied schmerzt, doch wenn Angehörige oder Eltern das Gefühl haben, dass die Trauer nicht nachlässt oder gar schlimmer wird, empfehlen wir den Kontakt zu einem Psychologen”, erklärt die Hebamme. In einer psychologischen Beratung können Elternteile ganz gezielt Unterstützung finden und die Ängste ansprechen, die sie ihrem Freundeskreis oder ihren Familien nicht anvertrauen wollten oder konnten. Nur den Mut sollten die Eltern der Sternenkinder nicht verlieren – und die Angehörigen nicht die Kraft, ihre Freunde zu unterstützen. Auch Petra Hohn, Geschäftsführerin des VEID-Bundesverbands, schließt sich diesem Appell an: „Ich wünsche den betroffenen Menschen treue Begleiter und Gefährten, die ihnen beistehen und das auch länger, als nur ein paar Wochen.”

Das Schicksal, ein Sternenkind zur Welt zu bringen, ist kein einfaches und der Abschied immer schwer. Doch am Ende des Trauerwegs steht für Eltern wie Sonja und Erik der tröstende Gedanke, dass sie ihr Kind zumindest einen kurzen Moment lang kennenlernen durften, bevor es die Welt hinter sich gelassen und den Himmel erreicht hat.

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