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Die moderne Technologie hat in all unseren Lebensbereichen Einzug gehalten. Das Smartphone ist ein universeller, unverzichtbarer Begleiter geworden und in unseren Wohnungen haben wir digitale Assistenten wie Amazons Alexa oder Google Echo, die all unsere Fragen beantworten. Mittlerweile führen Roboter in Krankenhäusern Operationen durch und es wird nicht mehr lange dauern, bis autonome Fahrzeuge unsere Straßen füllen. Ein Bereich des Lebens blieb zumindest in Deutschland technikfrei. Eine Beerdigung ist ein Moment, in dem die persönliche Betreuung durch einen Geistlichen sehr wichtig ist. In Japan ändert sich dies jetzt.

Die Firma Nisseieco Co. Ltd aus der japanischen Stadt Fujisawa hat vor kurzem auf der Messe „Life Ending Industry“ einen Roboter vorgestellt, der in Zukunft auf Beerdigungen auftreten soll. Bei buddhistischen Beerdigungszeremonien ist das Zitieren und Singen bestimmter Mantra ein Teil der religiösen Handlungen. Normalerweise bucht man in Japan dafür einen buddhistischen Mönch. Doch der ist relativ kostspielig. Genau hier will das Unternehmen ansetzen.

Der Roboter kennt alle Mantras der vier wichtigsten Strömungen des Buddhismus und nimmt gleichzeitig die Beerdigung für alle Angehörigen, die nicht anwesend sein können per Video auf. Das kostet, so der Hersteller, nur knapp 400 Euro pro Beerdigung – und hört sich dann so an:

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Vermutlich ist es für die meisten Menschen nicht vorstellbar, dass ein Roboter einen der emotionalsten Momente des Lebens übernimmt. Auch seitens der buddhistischen Mönche gab es Kritik. Es sei nahezu unvorstellbar, dass ein Roboter die spirituellen Werte wirklich vermitteln kann.

Segen aus dem Computer

Wer glaubt, dass geistliche Roboter nur im technologieverrückten Japan vorkommen, der irrt. Im letzten Jahr konnte man auf der Weltausstellung der evangelischen Kirche in Wittenberg ebenfalls einen Roboter bestaunen. Der „BlessU-2“ genannte Computer war zwar nicht so weit entwickelt wie sein japanisches Pendant, konnte aber auf Wunsch in verschiedenen Sprachen einen Segen erteilen. Die evangelische Kirche wollte damit auch die Frage anstoßen, ob digital erzeugte Segensbotschaften die gleichen geistigen Qualitäten besitzen, wie die eines Priesters.

Die Frage, ob ein mit Computerchips gefüllter Plastikkamerad überhaupt in der Lage ist einen Segen zu vermitteln ist durchaus berechtigt. Und gilt zu klären, ob Menschen einen Roboter in dieser Funktion überhaupt akzeptieren. Zwar gehören Roboter in verschiedenen Formen schon zum Alltag, doch in der persönlichen Betreuung ist der Einsatz umstritten. Es fehlt den Robotern einfach an Menschlichkeit.

Künstliche Intelligenz verändert alles

Das könnte sich allerdings in Zukunft mittels künstlicher Intelligenz schnell ändern. “KI“ existiert mittlerweile schon in vielen Bereichen und gilt als Heilsbringer der Robotik. Selbstlernende Computer sind keine Vision aus der Zukunft, sie sind heute schon im Einsatz. Zum Beispiel bei sogenannten Chatbots, die Kundenanfragen beantworten. Auch die genannten digitalen Sprachassistenten setzen auf künstliche Intelligenz. Sie lernen bei jeder Frage hinzu und passen sich den Bedürfnissen ihres Besitzers an.

Das reicht vielen aber noch nicht und der nächste Schritt heißt „Emotionale Intelligenz“. Ein Roboter soll blitzschnell erkennen können, in welcher Stimmung sein menschlicher Gesprächspartner ist. Der Daimler Konzern hat dafür zum Beispiel den digitalen Avatar „Sarah“ entwickelt. Das täuschend echt aussehende digitale Bild einer Frau kann mehr als nur klug antworten. Sarah erkennt anhand von benutzten Wörtern und Gesichtsausdrücken, ob die Stimmung eines Menschen positiv oder negativ ist und passt ihre Antworten entsprechend an.

Kombiniert man diese Technologien miteinander hat man auch schnell einen Roboter, der ganz anders aussieht und reagiert als das Modell, das in Japan vorgestellt wurde. Technisch wäre so etwas durchaus umsetzbar.

Tatsächlich bieten geistliche Roboter durchaus auch Vorteile. Den Kirchen fehlt es im Allgemeinen an beruflichem Nachwuchs. Viele Gemeinden haben gar keinen eigenen Geistlichen mehr. Ein digitaler Priester kann zumindest für den ersten Moment Abhilfe schaffen. Schon heute gibt es virtuelle Gottesdienste und Andachten, die man im Internet besuchen kann. Wenn Menschen diese Form der seelischen Betreuung akzeptieren, sind digitale Priester der nächste logische Schritt.

Können Roboter spirituell sein?

Doch bei Beerdigungen sieht die Sache etwas anders aus. So sehr wir uns schon daran gewöhnt haben, dass man einen Teil seiner Trauerarbeit auch ins Internet verlegen kann, so wenig kann man sich vorstellen, dass die Beerdigung als solche durch einen Roboter erledigt wird.

Cindy Mason von der Stanford Universität findet in ihrem Artikel „Auftritt und Realität von künstlicher Intelligenz – Der Fall der Roboter Priesters“ zwei unterschiedliche Aussagen. Zum einen stellt sie fest, dass das physische Berühren zum wichtigsten Bestandteil des menschlichen Lebens gehört. Eine Berührung spendet im Fall einer Beerdigung Trost und gibt Kraft. Ein Roboter oder digitaler Avatar kann das nicht erlebbar machen. Auf der anderen Seite sei ein wichtiger Punkt aber auch, wie wir Menschen Dinge wahrnehmen. Wenn ein Roboter aussieht und redet wie ein Geistlicher, wenn er unsere Fragen beantworten kann und mit seinen Worten Trost spendet, warum sollte ein solcher Roboter nicht bestimmte geistliche Funktionen übernehmen können?

Es wird noch länger dauern, bis man diese Frage beantworten kann. Klar ist, dass der kleine buddhistische Roboter nur der Anfang einer Entwicklung ist. Noch mag es den meisten Menschen unwirklich und falsch erscheinen, wenn ein solches Gerät eine Trauerzeremonie übernimmt. Aber in zwanzig oder dreißig Jahren könnte das völlig anders aussehen.

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