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Surfer haben weltweit ihre eigene Bestattungskultur – egal ob es sich bei der verstorbenen Person um eine Surferberühmtheit handelt oder nicht. Oftmals werden diese Zeremonien als vollwertige Bestattungen begangen und nicht „nur“ als zusätzliche Trauerfeier. Für berühmte Surfer oder Musiker gibt es sogar Memorial Days, bei denen die Zeremonien jährlich wiederholt werden.

Zeremonie auf dem Meer

Überwiegend finden die Bestattungen als Paddle-Outs statt, bei denen die Surfgemeinschaft auf das offene Meer hinausschwimmt und des Verstorbenen gedenkt. Ausgestattet ist die Trauergemeinde mit ihren Surfbrettern, Blumen beziehungsweise den hawaiianischen Blumenketten (Leis) und der Asche. An einer Stelle, an der das Meer ruhig ist, formieren sich die Freunde und Angehörigen auf ihren Surfbrettern zu einem Kreis.

Jeder der Anwesenden erzählt etwas über die verstorbene Person und wirft Blumen und Leis in die Mitte des Kreises. Anschließend wird unter Gebeten ihre Asche im Meer verstreut. Wenn manchmal eine größere Welle durch die Zeremonie geht oder ein Delphin auftaucht, wird das als Zeichen gewertet, dass der Geist des verstorbenen Menschen anwesend ist und sich verabschieden will.

Manchmal wird die Asche auch erst nach der Zeremonie an Land verstreut. Dort finden sich zum Teil Altäre aus Fotos, Blumen, Badeschuhen und Surfbordteilen. Für Angehörige, die nicht surfen, werden unter anderem Bootsfahrten zum Bestattungsort angeboten.

Der Ursprung der Paddle-Outs

Obwohl es naheliegend wäre, gehen Historiker und Experten nicht davon aus, dass das Abschiedsritual der Surfer auf polynesische oder hawaiianische Traditionen zurückgeht. Diese Kulturen haben ihre Verstorbenen an Land bestattet und Seebestattungen waren eher untypisch.

Viel mehr sind die ersten Paddle-Outs wahrscheinlich in den frühen 20er Jahren auf Waikiki durchgeführt worden. Die „Beachboys“ der damaligen Zeit waren meist Mitarbeiter in Hotels, die in ihrer Freizeit surfen gingen und diese Kultur entscheidend mitgeprägt haben. Einer von ihnen, Wally Froiseth, hat dies aus eigener Erfahrung bestätigt. Er erinnerte sich noch gut an eines der ersten Paddle-Outs 1926, als er sechs Jahre alt war. Medien, vor allem Filme, haben 1950/1960 dafür gesorgt, dass diese Trauerfeiern der Surfer weltweit bekannt und übernommen wurden.

Paddle-Out-Zeremonien für berühmte Surfer

Innerhalb der Surfgemeinschaft gab es herausragende Persönlichkeiten, für die besonders große Paddle-Outs veranstaltet wurden. Beispielsweise für Andy Irons, der auf Hawaii geboren wurde und dreifacher Surfweltmeister war. Mit nur 32 Jahren verstarb er kurz bevor er einen Wettbewerb in Puerto Rico antreten konnte. Dieser wurde daraufhin ausgesetzt, sodass Andy Irons angemessen gedacht werden konnte.

Doch nicht nur dort und auf Hawaii wurde für ihn ein Paddle-Out abgehalten – Surfer rund um den Globus verteilt trauerten um ihn; an den Stränden von Kalifornien, Brasilien, Florida, Spanien, Australien und vielen weiteren Orten. Allein in Kalifornien wurde das Paddle-Out von über 500 Menschen besucht und war damit wahrscheinlich eines der größten überhaupt dort. In Hanalei auf der hawaiianischen Insel Kauai wurde Irons’ Asche unter Teilnahme von 1.000 Menschen ins Meer verstreut. Sein Memorial Day ist am 14. November.

Eine weitere Berühmtheit in der Surf-Szene war Jack O’Neill, Gründer der gleichnamigen Marke und Erfinder des Neoprenanzugs. Im Jahr 2017 ist im Alter von 94 Jahren in Santa Cruz verstorben.

Anlässlich seines Todes hat seine Firma O’Neill Surfer auf aller Welt zum Paddle-Out in diejenigen Gewässer eingeladen, in denen er selbst regelmäßig gesurft ist, wie beispielsweise Pleasure Point in Santa Cruz, Fresh Water Beach in Sydney, aber auch Thurso in Schottland und im niederländischen Scheveningen.

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Besondere Zeremonien für Nicht-Surfer

Mehr als ein Beispiel belegt, dass Paddle-Outs durchaus nicht nur für Angehörige der Surfgemeinde abgehalten werden, sondern auch für andere Personen, denen sich Surfer sehr nach verbunden fühlten.

Der hawaiianische Musiker Israel Kamakawiwo’ole starb im Jahr 1997 aufgrund gesundheitlicher Probleme und erhielt als einer von nur drei Personen die Ehre, in einem Koaholzsarg im Capitolbuilding in Honolulu aufgebahrt zu werden. Seine Asche wurde dort am M’kua Beach ins Meer verstreut, wobei Tausende von Menschen anwesend waren. Und obwohl Israel kein Surfer war, wurde ihm zu Ehren ebenfalls ein Paddle-Out abgehalten.

Im Jahr 2014 fand im kalifornischen Studentenviertel Isla Vista in Santa Barbara ein Amoklauf statt, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen. Das Surfteam der University of California, Santa Barbara, hat das Paddle-Out organisiert, um Überlebenden und Angehörigen eine Möglichkeit zum gemeinsamen Trauern zu schaffen. Auch sie sangen Lieder und warfen Blumen in die Mitte ihres Kreises.

Johannes Erben, ein deutscher Hobby-Snowboarder, der bei einem Snowboard-Unfall in der Schweiz starb, sollte ein Paddle-Out in Hookipa Beach auf Maui bekommen. Nachdem er einen Film gesehen hatte, in dem Paddle-Outs vor der Insel gezeigt wurden, äußerte er seiner Mutter Lisa Erben gegenüber diesen Wunsch: „Wenn ich irgendwann sterbe, wäre es das Größte, wenn jemand so etwas mit meiner Asche machen würde.“ Seine Mutter reiste nach seinem Tod nach Maui und rief die Surfer auf, ein Paddle-Out zu Ehren ihres Sohnes zu veranstalten. Mehr als 100 Surfer folgten dem Aufruf und begleiteten Lisa Erben bei der Zeremonie.

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