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Man lebt, man stirbt, man wird beerdigt. So läuft es nun mal hier auf der Erde. Manche Menschen entscheiden sich aber für einen anderen Weg: Sie möchten der Welt nach ihrem Tod noch ein klein wenig erhalten bleiben und spenden ihren Körper einer wissenschaftlichen Einrichtung für die Aus- und Weiterbildung von Ärzten oder zu Forschungszwecken. Aber welche Motivation steckt dahinter, wenn sich ein Mensch zu diesem Schritt entschließt? Wofür genau werden Körperspenden überhaupt gebraucht? Und wie läuft das Ganze ab? Barbara Schulze vom Institut für Anatomie und Zellbiologie Heidelberg gibt Antworten.

Frau Schulze, was versteht man unter dem Begriff „Körperspende“?

Barbara Schulze: Universitäre Forschungseinrichtungen wie das Institut für Anatomie und Zellbiologie Heidelberg, in denen Untersuchungen an menschlichen Leichnamen durchgeführt werden, sind auf Körperspenden angewiesen. Deshalb ist es ganz wunderbar, dass es Menschen gibt, die sich dazu bereit erklären, uns ihren Körper nach dem Tod zur Verfügung zu stellen.

Wozu werden Körperspenden benötigt?

Barbara Schulze: Damit angehende Ärzte den Aufbau des menschlichen Körpers studieren können, absolvieren sie gleich im ersten Fachsemester einen sogenannten Präparierkurs. Hier lernen sie zum Beispiel, wie die Organe liegen und welche Strukturen es im Körper gibt. Nur an einem echten menschlichen Leichnam lässt sich zeigen, wie individuell der Körper bei jedem Menschen ist – keiner gleicht dem anderen. Das kann ein künstliches Modell so nicht leisten. Schon gar nicht lassen sich die komplizierten Lagebeziehungen der Organe und Körperteile zueinander aus Büchern oder Bildern erfassen. Institute wie das unsere benötigen deshalb sowohl zur Aus- und Weiterbildung von Medizinern als auch zur Forschung die Körper von Verstorbenen.

Was bringt Menschen dazu, ihren Körper zu spenden? Es gibt ja sogar mehr Spender als benötigt werden…

Barbara Schulze: Ja, das ist richtig. Es besteht ein großes Interesse, sodass wir vielen absagen müssen. Die Gründe, weshalb Menschen ihren Körper spenden möchten, sind ganz verschieden. Wenn sich potenzielle Körperspender bei mir melden, höre ich zum Beispiel häufig, dass sie dankbar sind, weil ihnen in der Klinik in einer bestimmten Situation gut geholfen wurde, und dass sie auf diese Weise etwas zurückgeben wollen. Sie möchten durch ihre Körperspende zukünftigen Ärzten eine ebenso gute Ausbildung ermöglichen. Viele Menschen werden also von einem ausgeprägten Altruismus motiviert. Anderen gibt die Tatsache, dass sie nach Beendigung der Forschungen auf dem Ehrenfriedhof der Universität beigesetzt werden, ein gutes Gefühl. Oft sind das ältere Personen, die alleine leben oder deren Kinder zu weit weg sind, als dass diese sich später um die Pflege der Grabstelle kümmern könnten. Bei manchen Menschen steht auch der monetäre Aspekt im Vordergrund: Sie wollen ihre Kinder mit den Bestattungskosten nicht belasten.

Gibt es Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland ihren Körper jedes Jahr spenden?

Barbara Schulze: Ich kann nur für unser Institut sprechen. Wie viele Körperspenden benötigt werden, richtet sich immer nach der Größe und den Bedürfnissen jeder Forschungseinrichtung. Wir in Heidelberg haben im Jahr einen Bedarf an sechzig bis siebzig Körperspenden.

Was passiert mit dem Körper, wenn der Spender gestorben ist? Wie ist da der Prozess?

Barbara Schulze: Wir holen den Leichnam vom letzten Aufbewahrungsort ab und überführen ihn in unser Institut. Hier wird er zunächst konserviert, indem bestimmte Chemikalien in die Blutgefäße gespritzt werden. In diesem Zustand verbleibt der Körper dann mehrere Monate, bevor er in den Kurs für die Studierenden oder Mediziner gebracht wird. Manchmal benötigen wir zu Lehrzwecken auch Dauerpräparate. In diesem Fall werden Teile des Körpers mit einem Kunststoff durchtränkt, der dann aushärtet. Oder es werden Körperteile in einer konservierenden Flüssigkeit aufbewahrt. Einem solchen Dauerplastinat muss der Spender aber ausdrücklich zustimmen, denn was man wissen muss: Diese werden später nicht bestattet.

Wenn die Untersuchungen und Forschungsarbeiten abgeschlossen sind – was passiert dann mit dem Leichnam?

Barbara Schulze: Die Untersuchungen und Forschungen an Körperspenden dauern in der Regel zwischen zwölf und 24 Monaten. Danach wird der Leichnam eingeäschert und im Beisein der Angehörigen sowie aller Teilnehmer des vergangenen Präparierkurses im Rahmen einer würdevollen Trauerfeier in einem Ehrengrab der Universität beigesetzt. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, in einer anderen Grabstätte beerdigt zu werden. Hierfür übernimmt unser Institut allerdings nicht die Kosten.

Wie ist so eine Körperspende gesetzlich geregelt?

Barbara Schulze: Jeder, der über eine Körperspende nachdenkt, sollte sich zuerst mit dem jeweiligen Institut in Verbindung setzen, denn die Bestimmungen zwischen den Einrichtungen variieren zum Teil stark. Institutsüberreifend ist es aber so, dass ein potenzieller Spender immer eine sogenannte Letztwillige Verfügung erteilen muss. Institut und Spender treffen also so etwas wie eine schriftliche Vereinbarung, die allerdings von beiden Seiten ohne Angabe von Gründen widerrufen werden kann. Wir als Institut sind also berechtigt, die Annahme eines Leichnams abzulehnen. Deshalb weisen wir auch ausdrücklich darauf hin, dass potenzielle Körperspender sich für den Fall der Fälle trotzdem um eine anderweitige Vorsorge für den Todesfall kümmern sollten.

Gibt es hierbei noch weitere Dinge zu beachten?

Barbara Schulze: Mit dem Vermächtnis überlässt der Spender dem Institut seinen Körper. Dies muss persönlich und zu Lebzeiten passieren. Es ist nicht möglich, dass Angehörige nach dem Tod eines Verwandten dessen Leichnam zu Forschungszwecken freigeben. Sind alle notwendigen Formulare ausgefüllt und von beiden Seiten unterschrieben, erhält der Körperspender einen Ausweis, der ihn als solchen auszeichnet. Übrigens: Ist ein Körperspender gleichzeitig Organspender, hat eine umsetzbare Organspende selbstverständlich Priorität.

Welche Kosten übernimmt das Institut?

Barbara Schulze: Wir veranlassen die Überführung des Leichnams vom letzten Aufbewahrungsort in unser Institut, die Einäscherung, die Beisetzung in der Ehrengrabstätte der Universität und die Grabpflege. Aber auch hier kann ich wieder nur für unser Institut sprechen. Ich weiß von Einrichtungen, wo sich Spender teilweise auch an den Kosten für Bestattung etc. beteiligen müssen.

Wer kann seinen Körper spenden? Gibt es da bestimmte Bedingungen?

Barbara Schulze: Unser Institut nimmt Körperspenden erst von Personen an, die das 50. Lebensjahr erreicht haben und die in unserem Einzugsgebiet wohnen. Bei manchen Einrichtungen ist jeder, der volljährig ist, berechtigt. Wir denken aber, dass eine gewisse Reife nötig ist, um solch eine schwerwiegende Entscheidung für sich zu fällen. Außerdem muss man damit rechnen, dass junge Leute vielleicht doch noch wegziehen, sodass die Person für uns als Institut als Körperspender nicht mehr infrage kommt.

Aus welchen Gründen kann ein Institut eine Körperspende ablehnen?

Barbara Schulze: Damit die Medizinstudenten optimal ausgebildet werden können, ist es natürlich wichtig, dass ein Leichnam möglichst unversehrt ist. Amputationen von Beinen oder Armen sind deshalb schwierig. Auch vorangegangene pathologische oder gerichtsmedizinische Untersuchungen, meldepflichtige Erkrankungen, frische Operationen oder eine umgesetzte Organspende können dazu führen, dass wir Körperspenden ablehnen müssen. Genauso wie stark untergewichtige oder übergewichtige Personen.

Wo können sich Personen, die ihren Körper der Forschung zur Verfügung stellen möchten, und deren Angehörige informieren?

Barbara Schulze: In jedem Institut gibt es einen Ansprechpartner für dieses Thema. Dieser gibt Auskunft zu allen Bestimmungen. Die häufigsten Fragen werden oft auch schon auf der Website der Einrichtungen beantwortet, so wie wir es zum Beispiel auf unserer Infoseite tun. Auch Hinterbliebene erfahren hier, wer benachrichtigt werden muss, wenn der Spender stirbt, damit die zeitnahe Überführung des Leichnams sichergestellt ist. Übrigens ist es deshalb sehr wichtig, dass der Spender mit Abschluss des Vermächtnisses mindestens eine Person seines Vertrauens von der Körperspende unterrichtet. Generell legen wir Körperspendern ans Herz, mit ihren Angehörigen über ihr Vorhaben zu sprechen. Schließlich können diese ja erst ein bis zwei Jahre später endgültig Abschied nehmen. Nicht jeder kann das verstehen oder gut damit umgehen.

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