Banner Kategorie Sterbegeld

Wein bedeutet Leben. Er steht für Genuss, geselliges Feiern mit Freunden und romantische Abende liebender Menschen. Die Menschheitsgeschichte wurde, soweit sich zurückblicken lässt, von dem aromatischen Rebensaft begleitet. Archäologische Fundstücke, die auf Weingenuss schließen lassen, reichen Jahrtausende in die Vergangenheit. In der Antike waren die Götter der Lust und Lebensfreude, wie Bacchus und Dionysos, zugleich die Götter des Weines. Weinfeste sind so alt wie die Kultur selbst und wird es wohl so lange geben, wie Weinstöcke in der Erde wachsen.

Gleichzeitig waren auch viele Totenkulturen mitgeprägt von dem edlen Tropfen. Wein wurde schon im alten Ägypten als Grabbeigabe hinzugefügt. Im Fernen Osten wurden Menschen mit Weinflaschen an ihrer Seite beerdigt, genau wie im alten Rom und Großbritannien. Ist es da ungewöhnlich, wenn sich heute Menschen unter Weinreben beerdigen lassen möchten?

Die Beerdigungskultur ist im Wandel. Das klassische Friedhofsgrab mit Sarg ist zwar noch lange nicht „ausgestorben“, aber die Alternativen werden vielfältiger. Eine davon sind Friedweinberge, also extra gepflanzte Weinstöcke, die als Friedhofsgrün genutzt werden. Dort werden die Verstorbenen zunächst eingeäschert und ihre Urnen dann in die Erde unter einer Weinrebe versenkt.

Welcher Weinliebhaber könnte sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, seinen ewigen Frieden unter den köstlichen Lieblingsfrüchten zu verbringen, die ihm zu Lebzeiten so viel Freude gebracht haben?

Weinglas vor Weinberg

Neben der verträumten Idee, unter Weintrauben begraben zu sein und als Naturliebhaber zu wissen, dass man an einem grünen Ort ruhen wird, hat diese Bestattungsmethode auch praktische Vorteile.

Genau wie in einem Bestattungswald fällt hier die Problematik der Grabpflege weg. Viele Menschen möchten ihren Hinterbliebenen nicht mehr die Mühe auferlegen, sich regelmäßig um die Grabstätte zu kümmern. Das liegt auch daran, dass die meisten Kinder irgendwann aus der Gegend ihres Elternhauses wegziehen.

Mehrere Gemeinden in Deutschland haben sich in den letzten Jahren dazu entschieden, ihr Bestattungsangebot mit einem Friedweinberg zu erweitern.

Ahrweiler in Rheinland-Pfalz: Vorreiter für Bestattung unter Weinstöcken

Der erste Ort, an dem das Prinzip Friedweinberg realisiert wurde, ist die Kreisstadt Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Hier, auf dem Bergfriedhof im Rotweingebiet des Ahrtals, besteht seit 2017 die Möglichkeit, sich unter einem Weinstock bestatten zu lassen. Die Pflanzenwahl fiel auf Blauer-Muskateller-Reben, die besonders resistent gegen Pilze und Krankheiten wie Mehltau sind. Diese Weinstöcke tragen keine Früchte, damit es keine Erntearbeit braucht. Weine werden von den Friedweinstöcken generell nicht gekeltert, aus Pietätsgründen.

Der Preis für eine einzelne Weinberggrabstätte in Ahrweiler beträgt 965 Euro für eine Frist von 15 Jahren. Eine Familiengrabstätte ist ebenfalls erhältlich und kostet etwas über 5.000 Euro für 30 Jahre. Unter den 72 Rebstöcken ist Platz für 320 Urnengräber.

Nordheim in Unterfranken – der größte Friedweinberg

Mediales Aufsehen hat der Friedweinberg in Nordheim erregt, der 2019 eingeweiht wurde. Im Gegensatz zu Arnheim ist die Stätte nämlich umringt von echten Weinbergen. 186 rote und weiße Rebstöcke für 1.488 Urnenplätze stehen auf dem grünen Grabfeld. Bürgermeister Guido Braun hatte die Idee, als es darum ging, eine Erweiterungsfläche für den bestehenden Friedhof einzurichten.

Gutachten und Genehmigungen für Bestattungen waren vorhanden. Schon kurz nach der Einweihung haben sich Menschen aus ganz Deutschland gemeldet, um sich Grabstellen zu sichern. Es ist nicht verwunderlich, dass unter den Bewerbern viele Winzer sind. Die Gebühren hier betragen knapp 50 Euro pro Jahr.

St.Martin in Rheinland-Pfalz – Ruhen in Park-Atmosphäre

Auch in St.Martin, eine 1.700-Seelen-Gemeinde in der südlichen Pfälzer Weinstraße, ist ein Friedweinberg geplant. In dem Dorf, das sich als „Wein- und Luftkurort“ bewirbt, soll ein Teil des Friedhofsgeländes zu einem parkähnlichen Areal umgestaltet werden. Da der Ort so tief mit dem Weinanbau verbunden ist, bot es sich geradezu an, das neue Grabfeld im Stile eines Weinbergs anzulegen. 50 Rebstöcke sollen hier bald stehen, mit Plätzen für jeweils acht Urnen. Für die Umsetzung wurde ein Landschaftsplaner beauftragt, noch 2020 soll der Friedweinberg eingeweiht werden.

Aus allen bisherigen Orten mit Friedweinbergen wurde verlautet, dass diese Idee grundsätzlich auf positive Reaktionen gestoßen war. Die Menschen scheinen offen für alternative und naturnahe Bestattungsformen zu sein, wenn sie würdevoll und mit Sorgfalt angelegt sind. Auch von der Kirche kommt kein Widerspruch, lediglich die einzelnen Grabstellen müssen kenntlich gemacht werden. Ein Schild mit dem Namen des Verstorbenen am Rebstock ist möglich, aber solange die Stelle namentlich beim Friedhof registriert ist, nicht unbedingt notwendig.

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