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In vielen Bereichen haben sich Dresscodes in den letzten Jahrzehnten von konservativ und formell gewandelt zu lockereren und flexibleren Outfits. So beispielsweise in der Oper, bei Gericht oder auf der Arbeit. Für Beerdigungen gilt allerdings nach wie vor eine eher konventionelle Trauerkleidung, auch wenn hier und da ebenfalls zu weniger formellen Kleidungsstücken gegriffen werden kann – soweit sie im Rahmen sind. Nur bei bestimmten und ausdrücklichen Ausnahmen kann vom gegebenen Dresscode abgewichen werden. Eine besondere Herausforderung für den Kleidungsknigge bei Beerdigungen sind sommerliche Temperaturen.

Mehr als Schwarz: Farben für die Trauerkleidung

Die klassische Trauerfarbe bei Beerdigungen ist nach wie vor Schwarz. Laut Knigge sind allerdings auch andere Farben in diesem Spektrum erlaubt, wie beispielsweise Grau und Anthrazit, aber auch Violett. Bei einer Beerdigung Braun zu tragen ist zwar kein Fauxpas, strenggenommen aber nicht gern gesehen, da es nicht in das schwarze Farbspektrum passt. Weiß als Kontrastfarbe ist sowohl für Männer als auch Frauen zulässig. Insgesamt sollten die Kleidungsstücke einfarbig und nicht gemustert sein.

Gänzlich verzichten sollte man auf bunte und vor allem knallige Farben, es sei denn der Verstorbene beziehungsweise die Hinterbliebenen haben dies ausdrücklich so gewünscht. Bunte Kleidung oder Muster können auch eine Form sein, das Leben anstatt den Tod zu feiern, des Verstorbenen individuell zu gedenken und die eigene Anteilnahme auszudrücken. Ist dies gewünscht, sollte man das unbedingt respektieren.

Schwarz hat Tradition: die Herkunft der Trauerfarbe

Schwarz als Trauerfarbe hat sich in den letzten Jahrhunderten in den westlichen Kulturen immer mehr durchgesetzt. Dies hat nicht nur religiöse Gründe, sondern zunächst auch praktische: Stoffe schwarz zu färben war ein aufwendiges und teures Verfahren, entsprechend galten schwarze Kleidungsstücke als edel und hochwertig. Sie wurden daher zu verschiedenen festlichen Anlässen getragen: Neben Beerdigungen auch zu Hochzeiten. Bis zum viktorianischen Zeitalter waren Hochzeitskleider in der Regel schwarz und wurden nach der Hochzeit weiterhin genutzt.

Mann zündet Grablicht an

Schwarz kristallisierte sich erst dann vor wenigen Jahrhunderten zu einer gesetzten Farbe für Trauerfeiern heraus, als es mehr und mehr Mode wurde, Kleidung auch in anderen Farben einzufärben und zu tragen. Die Farbe wurde aber für Begräbnisse beibehalten.

Der Trauer-Dresscode für Frauen

Frauen sollten kein zu freizügiges Outfit wählen, sondern lange Ärmel, ein geschlossenes Dekolleté und einen Rock, der über die Knie geht. Darüber hinaus sollten sie unter dem Rock eine schwarze Strumpfhose tragen. Es ist aber auch möglich, dunkle Stoffhosen zu wählen sowie beispielsweise einen dunklen Blazer oder eine Strickjacke über einer weißen Bluse. Keinesfalls sollte die Wahl auf Miniröcke oder Cocktailkleider fallen.

Bei Schuhen sollten die Absätze flach sein: Ballerinas bieten sich hier an oder auch schwarze Sneaker. Flache Schuhe sind nicht nur eine Respektsbekundung, sondern eignen sich auch aus praktischen Gründen auf dem Friedhof besser. Schmuck sollte, wenn überhaupt, nur dezent eingesetzt werden, dasselbe gilt für Make-up: Dies sollte unauffällig sein und kann auch weggelassen werden. Eine Sonnenbrille ist hingegen, auch um die Trauer zu verbergen, zulässig. Unter Umständen können Damen auch heute noch zumindest in konservativen Gegenden einen Hut mit Schleier tragen, dies sollte aber im Zweifelsfall mit der Familie des Verstorbenen abgestimmt werden.

Trauerkleidung für Männer

Auch für Männer gilt: Kurze Hosen und kurzärmelige Hemden müssen im Schrank bleiben. Es eignet sich stattdessen ein Business-Anzug in dunklen Farben, auch die Krawatte, Schuhe und Socken sollten dunkel sein, darüber empfiehlt sich ein Mantel. Einzig das Hemd wird in Weiß gehalten. Auch eine dunkle Stoffhose und dunkle Jacken sind möglich. Dunkle Jeans können gegebenenfalls getragen werden, dies sollte man im Zweifel abklären.

Wenn Männer eine Kopfbedeckung tragen, sollten sie diese während der Trauerzeremonie abnehmen. Ratsam ist aber, gänzlich auf sie zu verzichten. Accessoires wie Krawattennadeln und Manschettenknöpfe sind zulässig, diese sollten dann aber ebenfalls dezent und hochwertig sein.

Hat der Verstorbene zu Lebzeiten Uniform getragen, weil er beispielsweise in einem Verein Mitglied war oder bei der Feuerwehr, ist es üblich, dass seine Kollegen in dieser Uniform zur Bestattung erscheinen.

Anpassungen bei Hitze: Trauerkleidung im Sommer

Im Winter ist es einfacher, den Dresscode einzuhalten, anders sieht es bei hohen Temperaturen aus. Auch hier gilt Angemessenheit als oberstes Gebot, einige Anpassungen kann man aber vornehmen. So können Frauen auf Blusen mit Dreiviertelärmeln zurückgreifen und dünnere Strumpfhosen wählen, solange diese dunkel sind. Auch die Schultern sollten nach wie vor bedeckt sein.

Männer sollten einen Anzug wählen, der auch im Sommer angenehm zu tragen ist. Sie können auf die Anzugjacke verzichten und sie durch eine Weste ersetzen.

Keinesfalls sollte man im Sommer mit nackten Füßen in Sandalen oder Flipflops auf einer Beerdigung erscheinen. Besser ist es, zu dünnen Seidenstrümpfen zu greifen. Ansonsten gilt dasselbe Schuhwerk wie im Winter.

Bei Regen ist darauf zu achten, dass Schirme und Regenmäntel ebenfalls in dezenten Farben gehalten sind und ins Gesamtbild passen.

Trauerkleidung für Kinder und Jugendliche

Nach Möglichkeit sollte man Kinder ebenfalls in Schwarz oder zumindest in gedeckten Farben kleiden. Es müssen nicht extra formelle Kleidungsstücke für die Beerdigung angeschafft werden, eine gepflegte Alltagskleidung reicht aus. Fröhliche Farben oder Aufdrucke sind hingegen völlig fehl am Platz. Für Jugendliche gilt derselbe Dresscode wie für Erwachsene.

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