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Die Schulzeit ist eine prägende Phase für jeden Menschen. In diesen Jahren wächst man vom Kind zum jungen Erwachsenen heran und legt die Weichen für das kommende Leben. In der Schule herrscht Leistungsdruck. Lehrer machen Stress und Eltern können oft nicht verstehen, was in der Welt ihrer Kinder vorgeht. Die eigenen Klassenkameraden und Schulfreunde werden in dieser Zeit zu den wichtigsten Bezugspersonen. Jugendliche verbringen oft lieber Zeit mit ihnen als mit der eigenen Familie. Lachen und spielen in den Pausen, Computerzocken am Nachmittag, Freunde treffen am Wochenende. Niemand kennt einen in der Jugend so gut wie der beste Freund oder die beste Freundin. Umso schmerzlicher und tragischer ist es, wenn der Tod genau diesen Menschen zu sich holt. Unter diesem Beitrag sind 100 Trauersprüche zu finden, die Inspiration für Beileidskarten bieten.

Wie ist es, mitzuerleben, wie plötzlich ein enger Freund stirbt, während man selbst noch so jung ist? Sebastian* hat seinen besten Freund mit 16 Jahren bei einem Unfall verloren. Heute, 19 Jahre später, denkt er daran zurück und erzählt, wie er dieses einschneidende Erlebnis verarbeitet hat, welche Gedanken ihn damals am meisten beschäftigt haben und was er Positives aus dieser Zeit für sein Leben gelernt hat.

Sebastian, was ist damals eigentlich passiert?

In der 11. Klasse ist mein bester Freund Julius* für ein Jahr zum Schüleraustausch nach Amerika gegangen und bei einer Gastfamilie in Iowa untergekommen. Eines Abends ist er mit dem Fahrrad auf einer Landstraße geradelt, wahrscheinlich zu einer Party. Es war seine letzte Woche in den USA, das Schuljahr war vorbei und er war in ausgelassener Stimmung. Er trug Kopfhörer, aber keinen Helm. Von hinten hat ihn dann wohl ein großer Truck überholen wollen. Der Fahrer hat Julius so angefahren, dass er gestürzt ist und sich dabei das Genick gebrochen hat. Er war sofort tot.

Wie hast Du von dem Unglück erfahren?

Ich saß in meinem Zimmer auf dem Bett und meine Mutter kam rein mit einem komischen Gesichtsausdruck, ganz aufgelöst, und meinte nur: „Julius ist tot.“ Meine erste Reaktion war Ungläubigkeit, ich konnte gar nicht richtig reagieren, war wie versteinert. Ein anderer guter Freund von Julius hat bei mir in der Nähe gewohnt, den habe ich angerufen und mich mit ihm getroffen. Auf dem Weg dahin habe ich dann angefangen zu weinen. Ich bin niemand der schnell emotional wird, aber das war der Schockmoment, wo ich richtig geheult habe. Einmal, aber dann auch nicht wieder.

Jeder geht mit Trauer ja auf seine ganz eigene Weise um. Wie bist Du mit diesem einschlagenden Erlebnis fertig geworden?

Dein Kopf sagt Dir: „Es ist alles total furchtbar gerade“, und mir war klar, dass ich diese Zeit als lebensverändernde Erfahrung einzuordnen habe. Gleichzeitig habe ich mich direkt danach total leer gefühlt. Ich wollte dann unbedingt etwas tun, mich sinnvoll beteiligen und bei der Beerdigung mithelfen. Aktiv sein, statt rumsitzen war meine Art, mit der Situation umzugehen.

In den folgenden Tagen ist dann so viel passiert; in den USA wurde ermittelt, der Leichnam musste überführt werden und so weiter. Ich habe viel mit meinen Eltern gesprochen. Mein Vater ist Chirurg, hat lange mit Krebspatienten gearbeitet und wurde dementsprechend viel mit dem Tod konfrontiert. Er ist ein sehr nüchterner Typ, meine Mutter ist eher emotional. Sie hat damals viel geweint und sich eng mit Julius‘ Mutter ausgetauscht. Mein Vater war auch sichtlich betroffen, hat das Ganze aber eher sachlich und analytisch betrachtet. Ich fand das anfangs unangemessen, fast zynisch. Letztlich hat es mir aber gezeigt, dass jeder anders mit Trauer umgeht. Mir persönlich hat der sachliche Blickwinkel mehr geholfen.

Wie war es dann in die Schule zu gehen? Wie haben Mitschüler und Lehrer reagiert?

Der Schulleiter und der Tutor, der für unsere Stufe zuständig war, wussten schon Bescheid. Ich habe aber trotzdem mit ihnen das Gespräch gesucht. Ich war zu dieser Zeit Schulsprecher und wir haben diskutiert, wie wir die Schülerschaft informieren wollen. Aber so etwas spricht sich ja schnell herum.

Ich hatte keine Probleme mit den anderen, aber die Eltern von Julius schon eher. Was sie aus ihrer Sicht am schwierigsten fanden, war das Getuschel und die mitleidigen Blicke hinter ihrem Rücken. Sie wollten das lieber offen kommuniziert wissen. Sie verstanden zwar, dass alle mitfühlen, wollten aber nicht darauf reduziert werden, bemitleidenswert zu sein. Sie wollten ganz normal behandelt werden.

Du hast Deinen Schulfreund dann noch einmal gesehen, bevor er beerdigt wurde. Viele Menschen fürchten sich vor so einem Moment. Hattest Du keine Angst, Dich dem Leichnam gegenüberzustellen?

Die Möglichkeit, Julius noch einmal zu sehen, wurde mir angeboten und ich habe sie wahrgenommen. Ich hatte tatsächlich erst Bedenken deswegen, aber nach kurzem Überlegen kam ganz instinktiv das Gefühl: „Das musst Du machen!“ Zum einen, weil ich ihn ja seit einem Jahr nicht gesehen hatte, zum anderen auch aus jugendlicher Neugierde. Wir hatten uns zwar Briefe und E-Mails geschrieben, aber Bilder über Messenger austauschen ging damals noch nicht. Es war ja ein Alter, in dem man sich in kurzer Zeit krass verändern kann. Und ja, ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nie einen Toten gesehen und wollte diese Erfahrung machen.

Es war die richtige Entscheidung ihn nochmal anzuschauen. Es war ein ganz surrealer Moment, ihn mit eigenen Augen zu sehen und die absolute Gewissheit zu haben: Das ist mein Freund Julius, es ist keine Verwechslung. Das hat glaube ich geholfen, das Ganze zu akzeptieren, es real werden zu lassen. Ich bin wirklich froh, dass ich es gemacht habe.

Wie hast Du Julius in Erinnerung behalten?

Wir haben uns in der 5. Klasse kennengelernt und sind schnell dicke Freunde geworden. Auch mit seinen Eltern kam ich sehr gut aus. Wir sind sogar gemeinsam in den Urlaub gefahren. Julius war ein unglaublich netter, rücksichtsvoller und einfühlsamer Typ – aber trotzdem eine coole Sau. Er hatte eine große Klappe und war im richtigen Maße rebellisch und draufgängerisch. Während ich eher ein Spätstarter war, hat er nichts anbrennen lassen und ist auch ein wenig Vorbild für mich gewesen.

Du sagtest, dass Du bei der Beerdigung mitgeholfen hast. Wie hast Du die Trauerfeier Deines besten Freundes erlebt?

Julius‘ Eltern haben sich einen Gottesdienst gewünscht, der nicht trübselig ist, sondern so fröhlich wie möglich. Sie wollten nicht, dass alle in schwarz kommen, sondern auch etwas Buntes anziehen. Am Eingang wurden Sonnenblumen verteilt. Die Trauerfeier war offen für alle, das haben wir in der Schule und per Traueranzeige und Trauersprüchen publik gemacht. Die Kirche ist übergelaufen, es war der Wahnsinn, so viele junge Leute sind gekommen! Die Feier war sehr schön und hätte auch Julius gut gefallen. Er war nicht sehr religiös, aber in diesem Rahmen hätte er es abgenickt. Es war ein Sommertag und es herrschte strahlender Sonnenschein. Aber exakt in dem Moment, als der Sarg hinausgetragen wurde, kam wie aus dem Nichts ein Platzregen und plötzlich schüttete es aus Kübeln. Das war selbst für mich als rationalen Menschen ein bemerkenswerter Zufall.

Was war für Dich nach dem Verlust Deines Schulfreundes emotional am schwierigsten?

Ich habe nach einer Weile dazu geneigt, die Trauer für manche Dinge als Entschuldigung zu nehmen. In Anbetracht dieser Erfahrung, wurde alles andere unwichtig, zum Beispiel Klausuren in der Schule. Wenn man da nicht aufpasst, rutscht man in eine Schiene der Selbstentschuldigung, in der man alles bagatellisieren kann. Man redet sich ein, dass im Vergleich zum Verlust eines Menschenlebens alles andere belanglos sei. Ein Stück weit kann man diesen Anlass missbrauchen, sich aus der eigenen Verantwortung zurückzuziehen. Nach einigen Wochen ist es mir dann aber selber aufgefallen und ich habe mich bewusst wieder auf meinen Alltag konzentriert.

Und was hat Dir dabei geholfen, nicht in Selbstmitleid zu versinken?

Mein Vater hat mir gesagt: „Trauer ist letztlich Egoismus“. Man trauert nicht wirklich um die verstorbene Person, denn diese ist ja nicht mehr existent. Oder, je nach Glauben, in einer besseren Welt. Man trauert, weil man irgendwie mit diesem Verlust klarkommen muss. Dieser Spruch meines Vaters hat mir geholfen, mich zu erden. Auch wenn es wichtig ist zu trauern, muss das Leben irgendwie weitergehen.

Die Gespräche mit Julius‘ Eltern haben mir ebenfalls über diese Zeit geholfen. Ich konnte Ihnen viele Geschichten über ihren Sohn erzählen. Wir waren ja in einem Alter, in dem man seinen eigenen Eltern nicht immer alles sagt und da konnte ich ein paar Anekdoten mit ihnen teilen. Natürlich wurde da geweint, aber auch viel gelacht. Diese Gespräche haben der Situation die Tragik ein wenig genommen. Wir treffen uns heute noch, fast zwanzig Jahre danach, immer um seinen Geburtstag herum mit Freunden und Verwandten zum Grillen, um die Erinnerung an ihn zu wahren und den Anschluss zueinander nicht zu verlieren.

War dies ein Ereignis, das Dich mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert hat?

Tatsächlich denke ich oft, dass es jederzeit vorbei sein kann. Ich mache seitdem kaum etwas, was ich nicht wirklich will. Zum Beispiel über Jahre hinweg etwas Unangenehmes zu tun, allein aus Hoffnung auf einen etwaigen beruflichen Aufstieg. Ich bin Jurist und in dem Umfeld ist es nicht unüblich, erhebliche Arbeitsbelastung und Druck auf sich zu nehmen, um sich die Chance auf eine der raren aber lukrativen Kanzlei-Partnerschaften zu erhalten. Vor dem Hintergrund von Julius’ Tod kommt das für mich nicht mehr in Frage.

Also hast Du gelernt, mehr im Jetzt zu leben?

Genau. Es bringt dir nichts, unzufrieden zu sein und zu sagen: Ich beiße für Jahrzehnte die Zähne zusammen, um dann vielleicht eine hohe Position in einer Wirtschaftskanzlei zu haben. Du kannst jederzeit tot umfallen und musst Dich daher genau jetzt fragen, ob Du eigentlich zufrieden bist.

Gibt es etwas, was Du Jugendlichen in einer solchen Situation raten würdest?

Ich finde es schwierig, dafür allgemeingültige Ratschläge zu erteilen und das ist gleichzeitig vielleicht die wichtigste Erkenntnis für mich gewesen: Für solche Ausnahmesituationen gibt es kein Drehbuch und keine Regeln. Jeder darf damit umgehen, wie er will. Man kann nicht richtig oder falsch trauern, deshalb muss man auch nicht „verkrampfen“, weder sich selbst gegenüber, noch den Angehörigen und der Außenwelt. Man wird sich häufig fragen: „Ist es eigentlich ok, dass ich…?“ oder „Darf ich eigentlich…?“. Dieses Chaos im Kopf ist in Ordnung und es ist keine Schande, darüber zu sprechen und die Unsicherheit zu teilen. Mir hat es wahnsinnig geholfen, all diese Gedanken offen anzusprechen und unverkrampft darüber zu reden. Es ist nichts dabei, Dinge zuzugeben wie: „Ich fühl mich mies, weil ich zu Tode betrübt sein müsste, aber gerade gar keine Trauer fühle“ oder „Ich frage mich die ganze Zeit ob es unangemessen ist, so kurz nach Julius’ Tod mit anderen Freunden abends ausgelassen ein Bier trinken zu gehen.“

Der Tod eines geliebten Menschen gehört zum Leben, er ist nicht alltäglich, aber prägend, vielleicht so wie die eigene Hochzeit oder die Geburt des eigenen Kindes. Alle diese Ereignisse ordnen das Leben auf ihre Art neu, stellen Althergebrachtes in Frage, werfen Ungewissheiten auf. Warum sollte man also über den Tod nicht genauso reden, wie über Hochzeiten und Geburten?

*Namen durch die Redaktion geändert.

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