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Wie viele Todsünden gibt es denn überhaupt? Neid, Habgier, Zorn – wohl niemand kann sich so ganz von diesen und anderen Empfindungen freisprechen. Die Liste der sieben Todsünden ist zumindest in christlich geprägten Ländern noch heute den meisten geläufig, auch wenn dabei in der Regel nicht mehr das Fegefeuer gefürchtet wird. Entstanden ist die Sündenliste im frühen Mittelalter. Ein Lasterkatalog mit den 7 Todsünden, in dem Versuch, das Handeln und Verhalten der Menschen im Spannungsfeld zwischen körperlichen beziehungsweise geistigen Bedürfnissen und Moralvorstellung sowie gesellschaftlichem Miteinander zu erklären. 

Die Bezeichnung der 7 Todsünden ist etwas irreführend – so spricht der Katholizismus von Hauptsünden oder Wurzelsünden, da aus ihnen weitere Sünden entwachsen können. Und streng genommen handelt es sich bei den 7 Todsünden viel mehr um Charaktereigenschaften, die jeweils zu den Sünden führen. Wer mit einer Todsünde im Herzen stirbt, den erwarten dem Katholizismus nach die Qualen der Hölle. Beichte und Reue sind Wege, um die Vergebung Gottes zu erhalten. Aber was sind die 7 Todsünden?

Die 7 Todsünden – Liste

  1. Hochmut – Superbia 
  2. Geiz – Avaritia
  3. Wollust – Luxuria
  4. Zorn – Ira
  5. Völlerei – Gula
  6. Neid – Invidia
  7. Faulheit – Acedia

1.  Hochmut – Superbia 

Eine der 7 Todsünden ist Hochmut.

Foto: CC BY 4.0

Der katholische Katechismus stuft den Hochmut als schlimmste aller Todsünden ein. Die Superbia bedeutet nicht nur, dass sich der Mensch nach außen hin über alle Mitmenschen erhaben fühlt, sondern auch innerlich blind ist gegenüber den eigenen Unvollkommenheiten. Hochmut führt dazu, sich zu überschätzen und an ein Idealbild von sich selbst zu glauben. Abhilfe schafft hier die Demut, die es ermöglicht, in die seelischen Abgründe hinabzusteigen und diese zu akzeptieren. 

Die Todsünde Superbia wird oftmals auch mit Arroganz, Stolz oder Selbstüberhebung übersetzt. Der Hochmut findet sich dabei nicht nur im katholischen Katechismus wieder. Auch in anderen Weltreligionen, wie dem Judentum, wird vom Hochmut gesprochen. Hier wird den Menschen ebenfalls übermittelt, demütig zu sein. Dies wird dadurch begründet, dass allein Gott groß und allmächtig ist.

Psychologisch betrachtet gibt es zwei Arten von Hochmut. Bei der einen Möglichkeit spricht man von Narzissten. In diesem Fall ist sich der Betroffene seinem Hochmut nicht bewusst und ist der Überzeugung, tatsächlich unfehlbar zu sein. Die andere Art von Hochmut beschreibt Menschen, die diese nur vortäuschen, um ihre eigene Unsicherheit zu verbergen.

2. Geiz – Avaritia

Eine der Todsünden ist Geiz.

Foto: CC BY 4.0

Zu den 7 Todsünden gehört auch der Geiz. Der Geizige unterstützt weder andere mit Geld oder materiellen Gütern, noch gönnt er sich selbst etwas. Die Anhäufung von Besitz ist getrieben von der Sorge, nicht genug zu haben, gleichzeitig ist dies wichtiger als das Leben wirklich zu genießen. Gönnen sich geizige Menschen dennoch etwas oder geben sie etwas von ihrem Besitz ab, überkommt sie das schlechte Gewissen. Die Kirche sieht daher den Geiz als Abkehr vom Leben. 

Folgt man dem Klischee, handelt es sich bei geizigen Menschen jedoch keineswegs um Personen ohne finanzielle Mittel. Spricht man von Geiz, entscheidet man sich bewusst dazu, das Geld nicht auszugeben.

Vor allem in der Kunst wird diese Thematik oftmals aufgegriffen. Bekannte Beispiele hierfür sind „Allegorie des Geizes“ von Matham oder auch „Der Geizige“ von Hans Holbein der Jüngere.

3. Wollust – Luxuria

Eine der Todsünden ist Wollust.

Foto: Public Domain

Laut dem Katechismus soll sexuelles Verlangen unterdrückt werden. Geschlechtsverkehr ist allein zur Fortpflanzung bestimmt, alle weiteren Bedürfnisse haben hier keinen Platz. Wollust bzw. Keuschheit und Unmäßigkeit beziehen sich aber nicht nur auf sexuelle Aspekte – alles Tun, das von niederen Trieben und Instinkten angetrieben oder beeinflusst wird, ist als sündig anzusehen. Keuschheit meint in erster Linie Reinheit und Klarheit in allem, um aus sich selbst heraus leben zu können. 

„Wollust ward dem Wurm gegeben, // und der Cherub steht vor Gott.“ – schrieb schon Friedrich Schiller in Thalia – Erster Band. Denn die Wollust begleitet die Menschheit schon seit Anbeginn der Zeit. Jedoch lässt die extreme Ansicht des katholischen Katechismus mit dem modernen Zeitalter nach und wird nicht mehr so stark tabuisiert.

4. Zorn – Ira

Eine weitere Sünde ist Zorn.

Foto: Public Domain

Zorn richtet sich gegen einen selbst sowie gegen andere. Geäußert wird er oft auf eine Art und Weise, die auch in den anderen negative Gefühle hervorruft. Er führt zu Handlungen im Affekt, die unter Umständen schwer zurückzunehmen sind und Schaden anrichten. Der Zornige kann sich selbst also nicht mehr kontrollieren. 

Zwar ist der Zorn einer der 7 Todsünden, aber schon Aristoteles zählte das Gefühl zu einem der elf Grundgefühlen jedes Menschen. Es scheint also keiner davor bewahrt zu sein, die Gefühle, welche die Todsünden mit sich bringen, innezuhaben.

5. Völlerei – Gula

Eine der Todsünden ist Völlerei.
Foto: Public Domain

Übermäßiges Essen und Trinken, aber auch ein grundsätzlich ausschweifender Lebensstil bis hin zur Verschwendung wird als Völlerei bezeichnet und gehört mit zu den 7 Todsünden. In dieser Hinsicht ist diese Sünde das gegenteilige Extrem von Geiz. Ein Mensch, welcher der Völlerei frönt, wird als undankbar gegenüber Gott angesehen und kann dadurch sogar blind für ihn werden.

Die Völlerei begleitet auch heute noch viele gläubige Christen. Durch diese Todsünde kann auch das bescheidene Leben, welches sowohl Nonnen als auch Mönche führen, erklärt werden. Wird die Völlerei ausgelebt, droht dem Menschen nach seinem Tod die Hölle.

6. Neid – Invidia

Eine Todsünde ist Neid.

Foto: Public Domain

Neid entsteht durch den ständigen Vergleich von sich selbst mit anderen, wobei man bei anderen immer das findet, was man selbst nicht hat und sich dadurch benachteiligt fühlt. Der Neid auf die (vermeintlichen) Vorteile der anderen kann sogar zu Missgunst und Hass führen. Die Kirche nennt als Antwort auf diese Sünde bzw. als Kur die Dankbarkeit, die dem Neider wieder ein gutes Gefühl geben kann. Außerdem ist der Neid in positivem Sinne ein Hinweis auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse. 

Es kann also unterschieden werden zwischen dem konstruktiven Neid, welcher nicht unbedingt als negatives Gefühl gewertet wird. Dabei hat die betroffene Person dennoch das Gefühl, selbst haben zu wollen, was er bei anderen sieht, dieses Gefühl ist jedoch weniger mit Missgunst, sondern sogar mit Anerkennung verbunden. Die andere Seite stellt, den Neid dar, welche in der Liste der Todsünden beschrieben wird. Der destruktive Neid ist direkt mit der Missgunst verbunden und kann im schlimmsten Fall auch zu unmoralischen Handlungen führen.

7. Faulheit – Acedia

Eine der Todsünden ist Faulheit.

Foto: Public Domain

Die letzte der 7 Todsünden geht über das landläufige Verständnis von Trägheit oder Faulheit hinaus. Sie bezeichnet nicht nur mentale und körperliche Faulheit; Acedia meint auch die „Trägheit des Herzens“, die den Betroffenen unfähig macht, sich selbst und sein eigenes Leben auszuhalten und dadurch mit allem unzufrieden ist. Das macht unempfindsam und wenig empathisch gegenüber den Bedürfnissen anderer. Nicht zuletzt sorgt die Faulheit auch für eine Verschlossenheit Gott gegenüber, da der Träge nicht bereit ist, das zu tun, was Gott von ihm verlangt.

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