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Herr Schaldach, im letzten Jahr haben Sie durch eine sehr außergewöhnliche Stellenanzeige deutschlandweit auf Ihr Institut aufmerksam gemacht. Mit viel Humor und Augenzwinkern. Sogar die Bild-Zeitung berichtete. Wie kamen Sie auf die Idee, auf diese Weise um Mitarbeiter zu werben?

In unserer Branche gibt es nicht viele Bewerber, da muss man sich schon etwas einfallen lassen. Wir hatten damals einen Bestatter gesucht. Ich hatte in die Anzeige geschrieben, dass der Bewerber oder die Bewerberin neben einem Schul- und Berufsabschluss zum Beispiel Grundkenntnisse darin mitbringen sollte, wie man mit anderen Menschen angemessen kommuniziert. Dass man während der Arbeit nicht alle drei Minuten eine WhatsApp schreibt oder seine Facebook-Nachrichten checkt. Dass er oder sie weiß, wie man sich selbst versorgt, wie man Wäsche wäscht und auch, dass man sich hin und wieder duschen müsse.

Im Prinzip grundlegende Dinge, die jeder wissen sollte, der sich um einen Job bewirbt. Was ich damit ausdrücken wollte: Wir brauchen in unserem Betrieb Menschen mit Hirn und Verstand, die für sich und auch für andere Verantwortung übernehmen können.

Wollten Sie damit auch auf unsere moderne „Null-Bock-Gesellschaft“ anspielen?

Nicht unbedingt. Diese Anti-Haltung vieler Jugendlicher, was Arbeit und anpacken betrifft, gab es auch schon zu meiner Zeit. Ich wollte vielmehr zeigen, dass das, was wir als Team von einem Kollegen und Mitarbeiter erwarten, im Grunde nicht viel ist, sodass sich mehr Menschen angesprochen fühlen.

Sehen Sie, in unserem Betrieb arbeiten 23 Angestellte mit unterschiedlichen Schulabschlüssen. Vom Hauptschul- bis zum Hochschulabschluss ist alles dabei, und jeder findet bei uns seine Nische. Etwas, das ihm Spaß macht und zu seinen Fähigkeiten passt. Der eine ist eher musikalisch veranlagt, der andere handwerklich, wieder ein anderer arbeitet gerne mit Menschen.

In einem Bestattungsunternehmen wird jede dieser Fähigkeiten gebraucht. Einer unserer Mitarbeiter ist zum Beispiel künstlerisch sehr begabt und geht darin auf, Urnen zu bemalen. Je breiter natürlich jemand mit seinen Begabungen aufgestellt ist, desto besser eignet er sich für einen Job bei uns.

Haben Sie für die Anzeige einen PR-Profi um Hilfe gebeten?

Nein, das brauchte ich nicht. Ich bin von Natur aus ein Kind von Fröhlichkeit und habe viele Ideen. Den Text für die Stellenanzeige zu formulieren, hat mir Spaß gemacht.

Wie war die Resonanz auf die Anzeige?

Wir haben sehr viel Post bekommen. Viele Bewerbungen, aber auch Mails und Briefe von Personen, die schrieben, dass sie sich gerne beworben hätten, wenn sie nicht bereits einen Job hätten oder schon Rentner wären.

Und wie war Ihre Ausbeute, was die ernst gemeinten Bewerbungen betrifft?

Von den 150 Bewerbern haben wir 30 zu einem Gespräch eingeladen. Am Ende blieben 15 übrig, die wir zum Probearbeiten eingeladen haben. Davon meinte die Hälfte nach kurzer Zeit, die Arbeit sei ihnen doch zu tot.

Da war zum Beispiel ein gelernter Dachdecker, der sich beruflich verändern wollte. Letztendlich meinte er aber, dass er beim Fertigmachen einer Leiche Zeit gehabt habe, über sein Leben nachzudenken. Und beim Anblick all der Särge um ihn herum hätte er den Entschluss gefasst, die Bewerbung zurückzuziehen und in seinem bisherigen Job zu bleiben.

Ein anderer Bewerber hatte bislang als Sanitäter gearbeitet und mit dem Gedanken gespielt, Bestatter zu werden. Er hatte oft miterleben müssen, dass bei einem Notfall jede Hilfe zu spät kam. Mit dem Anblick Verstorbener war er also vertraut. Nach den Probetagen bei uns wollte er dann aber doch lieber bei den Lebenden bleiben. Schlussendlich konnten wir aber drei neue Mitarbeiter unter Vertrag nehmen.

Welche Tätigkeiten bringt der Beruf des Bestatters denn mit sich?

Im Grunde ist das eine sehr abwechslungsreiche Arbeit. Es fängt damit an, den Leichnam aus der Wohnung zu holen und ihn schönzumachen – mit Nadel und Faden, Theaterschminke aber auch Wachs. Als Bestatter sollte man außerdem eine einfühlsame Art haben, um auf trauernde Angehörige eingehen zu können.

Natürlich fallen auch typische Büroarbeiten an und im Verkaufs- und Beratungsgespräch ist Verhandlungsgeschick von Vorteil. Viele Mitarbeiter reizt dagegen die Arbeit an der Maschine, etwa am Brennofen oder der Knochenmühle. Das sind heutzutage ja hoch technische Anlagen, wie sie auch in anderen Branchen im Einsatz sind.

Es geht im Grunde ja überall darum, einen Computer mit Daten zu füttern. Und ob es sich dabei nun um die Größe von Erbsen in einer Gemüsefabrik handelt oder den Mahl-Grad von menschlicher Asche, ist schlussendlich egal. Hier bei uns im Krematorium sind übrigens auch schon Diplomarbeiten zur Technik im Brennofen entstanden.

Ihr Institut ist auch jungen Menschen gegenüber sehr aufgeschlossen, die gerne in den Beruf des Bestatters hinein schnuppern möchten …

Das ist richtig. Wir haben oft Schüler hier, die ihr zweiwöchiges Pflichtpraktikum bei uns absolvieren. Sie dürfen alles mitmachen. Sie lernen, wie die Maschinen funktionieren, dürfen unter Anleitung am Leichnam arbeiten und begleiten uns in die Gerichtsmedizin.

Die meisten von ihnen machen sich dabei erstaunlich gut, andere brechen das Praktikum nach einer Woche ab, weil sie merken, dass es nichts für sie ist. Wir haben aber auch Schüler hier, die sich bei uns schon seit vielen Jahren in den Ferien ein bisschen Taschengeld dazu verdienen.

Manche haben schon so viel Erfahrung, dass man sie überall einsetzen kann und sie auch bei unseren Partnern und Kunden voll akzeptiert sind.

Wie sieht es heute denn stellenmäßig bei Ihnen aus? Suchen Sie zurzeit wieder Mitarbeiter?

Momentan nicht, aber bald. Zurzeit sind wir noch dabei, unsere Website auf einen neueren Stand zu bringen, und danach – das darf ich an dieser Stelle verraten – wird auch wieder eine Stellenanzeige online gehen, die hoffentlich für genauso viel Schmunzler sorgen wird wie die vorherige. Ich feile bereits an originellen und humorvollen Sprüchen.

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