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Eine Beerdigung mit bunten Bausteinen nachspielen? Grundsätzlich sind der Fantasie im Kinderzimmer ja keine Grenzen gesetzt. Aber die Spielzeug-Sets, die der Wiener Zentralfriedhof in seinem Museumsshop anbietet, könnten dennoch bei dem ein oder anderen auf Skepsis stoßen.

Da wäre zum Beispiel das Modell „Friedhof aus Lego-Komponenten“: Es besteht aus einem grauen Grabmal mit Grabstein und Kerze, einem Sarg auf einem Karren und einem Bagger mit freundlicher Friedhofsgärtner-Figur. Separat sind Bestatter und eine „Trauerfamilie“ erhältlich: Die drei Familienmitglieder haben kein freundliches Lächeln auf den Lippen, sondern sind von Trauer gezeichnet. Dazu kommen zwei Leichenfiguren mit Verwesungserscheinungen und ein Skelett. Daneben gibt es noch das Set „Krematoriumsofen“ – Plastikflämmchen und Urne sind inklusive. Die schwarze Leichenkutsche mit Sarg sieht daneben noch harmlos aus. Die Spielzeugfirma aus Dänemark selbst war an der Entwicklung der Toten-Spielzeuge übrigens nicht beteiligt – es handelt sich um Legosteine, die von den Friedhofsmitarbeitern zusammengesteckt wurden.

Dass diese Spielzeug-Souvenirs gerade in Österreich erhältlich sind, dürfte kein Zufall sein. Im Vergleich zu Deutschland ist nicht nur der Humor dort unverkrampfter, auch der Tod wird in der Heimat des „Wiener Schmähs“ gerne mit einem Augenzwinkern behandelt. So gilt der Wiener Zentralfriedhof – auf dem unter anderem Beethoven und Mozart ruhen – gemeinhin als „halb so groß wie Zürich, aber doppelt so lustig!“.

Warum den Tod nicht spielerisch erklären?

Der Tod ist wie die Geburt ein fester Teil des Lebens. In Deutschland und vielen anderen Kulturen ist es aber gebräuchlich, den Tod zu verschweigen, die Verstorbenen zu verstecken und dieses schwierige Thema generell zu vermeiden. Berechtigte Fragen von Kindern zum Sterbeprozess werden von den Eltern nicht selten abgewunken – oft auch, weil sie selber nicht wissen, wie sie das am besten erklären sollen. Das kann dazu führen, dass junge Menschen den richtigen Umgang mit dem Tod nie lernen. Sie können in jungen Jahren ja auch noch nicht unbedingt die richtigen Worte finden, um ihren Gedanken Luft zu machen. Wenn dann der Tod unvorhergesehen ins Leben tritt, ist es umso schwieriger, mit dem Sturm der Emotionen umzugehen.

Psychologen empfehlen generell, Kindern den Tod nicht zu verheimlichen. Wenn etwa ein Familienmitglied schwer erkrankt oder plötzlich verstirbt, und dies vor dem Kind verheimlicht oder verharmlost wird, kann es traumatisiert werden und in eine Vertrauenskrise geraten. Kinder sollen in solchen Fällen nicht außen vor gelassen werden, sondern immer in den Trauerprozess einbezogen werden. Bei den Erklärungen sollte nichts verschönt und auf blumige Phantasiesprache verzichtet werden. Dazu ist es auch hilfreich zu wissen, wie der Trauerprozess bei Kindern abläuft.

Sollte man Kindern so ein ernstes Thema wie den Tod spielerisch nahebringen, auch wenn akut kein Grund zum Trauern besteht? Sicherlich kann es dazu beitragen, den Tod zu normalisieren, wenn zwischen der Ritterburg und dem Piratenschiff auch ein Friedhof im Kinderzimmer steht. Solche Spielsachen können auch gute Anknüpfpunkte sein, wenn es darum geht, den Kleinen zu erklären, was mit Menschen passiert, nachdem sie verstorben sind.

Friedhofs-Spielzeug aus Holland

Die Bausätze des Wiener Zentralfriedhofs sind nicht die ersten Spielsachen, die sich mit Tod und Bestattung auseinandersetzen. Bereits 2017 hat der niederländische Trauertherapeut Richard Hattink damit begonnen, Bausteine mit Friedhofsthematik zu verkaufen. Lässt sich bei den österreichischen Spielzeugen noch ein schwarzhumoriges Augenzwinkern erkennen, geht es Hattink rein um den pädagogischen Nutzen. Objekte, über die sonst kaum jemand spricht, wie ein Verbrennungsofen, sind für ihn als Spielzeuge nützlich, um den Kindern Konzepte wie Feuerbestattung beizubringen. So können schwierige Themen mit einer gewissen Leichtigkeit und Interaktivität vermittelt werden. Der dänische Klötzchenproduzent hat ihm inzwischen untersagt, den Lego-Markennamen zu verwenden, man kann es allerdings nach wie vor bestellen.

Man hat weniger Angst vor dem, was man kennt, als vor dem Unbekannten. Das gilt für Kinder wie Erwachsene. So gesehen kann es eine gute Idee sein, solche Elemente als Bestattungsspielzeug schon in der Spielecke oder im Kindergarten einzuführen. Dabei kann man beim Spielen vom Sterben erzählen, ohne dabei schwerfällig zu werden. So kommt es gar nicht erst zu unnötigen Tabuisierungen rund um den Tod.

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