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„Nächste Haltestelle: Zentralfriedhof, 2. Tor“ verkündet die Frauenstimme in der Wiener Straßenbahn. Einfamilienhäuser, Steinmetz- und Gärtnereibetriebe sieht man beim Blick aus dem Fenster, sie säumen das östliche Ende der Simmeringer Hauptstraße. Hier, im Südosten von Wien, wo die Stadt ins Land übergeht und sich die Nebeldecke hartnäckiger hält als im Zentrum, erheben sich die Mauern der Wiener Nekropole. Zentral ist er nicht gelegen, der flächenmäßig zweitgrößte Friedhof Europas, der über drei Millionen Tote beherbergt.

Den Zentralfriedhof Wien besuchen nicht nur Angehörige, sondern auch viele Touristen.

Nach acht Jahre langer Planung wurde der dezentral gelegene Zentralfriedhof 1874 eröffnet, pünktlich zu Allerheiligen. Aus gesundheitlichen und städtebaulichen Gründen schien es nur allzu vernünftig, einen großen Friedhof außerhalb des Zentrums anzulegen: Wien, die Hauptstadt der Habsburgermonarchie, wuchs Mitte des 19. Jahrhunderts rasant und die Grüfte unter den Innenstadtkirchen waren bis oben hin voll.

Die Wiener mochten den neuen Friedhof anfangs gar nicht. Die Hinterbliebenen mussten nun weite Wege auf sich nehmen, um die Gräber ihrer verstorbenen Lieben zu besuchen. Auch Leichentransporte gestalteten sich vor allem während der Wintermonate schwierig, weil Pferdekutschen häufig im Schnee stecken blieben.

Besuchermagnet Ehrengräber

Eine Möglichkeit, um bei der Bevölkerung mehr Begeisterung für die neu geschaffene Nekropole auszulösen, sah die Wiener Regierung in der Errichtung von Ehrengräbern. Berühmte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kunst sollten am Zentralfriedhof ihre letzte Ruhe finden – und mussten hierfür zum Teil exhumiert werden; so zum Beispiel Ludwig van Beethoven, der ursprünglich im Stadtteil Währing im Nordwesten Wiens begraben worden war. Heute zählt er zu den berühmtesten Toten auf dem Zentralfriedhof und liegt neben Größen wie Johann Strauß und Franz Schubert in der wohl meist frequentierten „Musiker-Gruppe“ 32A, zwischen Hauptportal und Friedhofskirche. Sein Grabmal ist dem Währinger Original nachempfunden, frische Blumen liegen davor.

Ähnlich reich geschmückt ist auch das Grab des Wieners Hans Hölzel, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Falco, am etwas weiter abseits gelegenen Ehrenhain. „Lass dich oben angemessen feiern – und rausch für uns als Melodie durchs Universum!“ steht auf einer Karte, die am Grab lehnt. Erst vor kurzem hätte er seinen 60. Geburtstag gefeiert, stattdessen jährt sich sein Todestag im nächsten Jahr zum 20. Mal. Es ist ein auffälliges Grab, man sieht es schon von weitem: Das Bild des Verstorbenen ist auf eine halbrunde Glasplatte gedruckt, gemeinsam mit den Titeln seiner größten Hits. Er trägt einen schwarzen Umhang, die Arme zur Seite ausgestreckt, als könne er fliegen. Nicht den sterblichen Hölzel, sondern die ewig weiterlebende von ihm erschaffene Kunstfigur ehrt man hier.

Auch Falco hat ein Grab im Zentralfriedhof Wien.

Imposante Friedhofskirche

Betritt man das den Zentralfriedhof über das Hauptportal, so ist sie kaum zu übersehen, die am Ende der Hauptallee gelegene Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus. Bei Wienern ist sie besser bekannt als „Luegerkirche“, da sich die Gruft des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger in ihrem Unterbau befindet. Monumental sollte die Kirche wirken und die Allmacht Gottes darstellen, als sie im späten 19. Jahrhundert vom damals erst 27-jährigen Architekten Max Hegele geplant wurde.

Die Luegerkirche verbindet das Theologische mit dem Praktischen: Die drei Treppen, die an ihr emporführen, stehen symbolisch für drei Wege zu Gott – über die Heilige Schrift, die Betrachtung der Natur oder die Betrachtung des Guten und Schönen in der Welt. Praktisch dienen sie zur Ablage von Begräbniskränzen, betreten kann man die Kirche nur über den Eingang an der Vorderseite. Im Inneren steht das Göttliche neben dem Irdischen, Wandmalereien zeigen nicht nur biblische Bilder, sondern auch prominent das Wappen Wiens. Die Stadt hat sich hier selbst ein Denkmal gesetzt.

Die Friedhofskirche zum Heiligen Borromäus, besser bekannt als „Luegerkirche“

Interkonfessioneller Friedhof

Imposant, wie sie ist, lässt die Friedhofskirche den Besucher beinahe vergessen, dass der Zentralfriedhof keineswegs nur Katholiken beherbergt, sondern „der Bestattung verstorbener Personen ohne Unterschied von Religion, Bekenntnis, Weltanschauung und Herkunft“ dient, wie eine Informationstafel am Eingang wissen lässt.

Als erster nicht-christlicher Friedhof wurde der Alte Jüdische Friedhof 1880 eröffnet, erwies sich jedoch bald als zu klein, weswegen es seit 1917 noch einen Neuen Jüdischen Friedhof gibt. Gemeinsam nehmen die beiden jüdischen Friedhöfe etwa zwei Drittel des Zentralfriedhofs ein. Auch einen Islamischen Friedhof gibt es, auf dem die Gräber mit ihren arabischen und türkischen Gravuren nach Mekka ausgerichtet sind.

Biegt man an der Luegerkirche rechts ab und spaziert weiter auf der Großen Allee, gelangt man zu einem kleinen Buddhistischen Friedhof, der – an allen Seiten umgeben von christlichen Gräbern – leicht zu übersehen ist. Im Zentrum der kreisförmigen Grabanlage befindet sich ein Stupa, ein buddhistisches Bauwerk. Stupa bedeutet so viel wie „anhäufen“ oder „übereinander schichten“. So symbolisiert das kalksteinerne, zylinderförmige Fundament die Erde, die Glaskuppel das Wasser, der kleine Altar darüber das Feuer und die aus Edelstahl konstruierte Pyramide die Luft. Ein Tropfen aus Gold bildet die Spitze des Stupas, er steht für den Raum.

Der Stupa am Areal des Buddhistischen Friedhofes

Ein Teil Wiener Geschichte

Geht man von hier aus weiter in Richtung Tor 1, erreicht man den Alten Jüdischen Friedhof. Er repräsentiert gewissermaßen den wohl dunkelsten Teil der jüngeren Wiener Stadtgeschichte, und auch das Gebiet wirkt düsterer als der Rest des Zentralfriedhofs. Kein Mensch ist hier, Stille macht sich breit, nur unterbrochen vom Knirschen alten Laubs unter den Füßen. Viele der auf Hebräisch gravierten Grabsteine sind umgestürzt, andere mit Efeu überwachsen. Die Gräber stammen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, die Natur hat sie sich mittlerweile zurückerobert.

Einst stand hier eine Zeremonienhalle, in der die jüdische Bevölkerung Wiens ihre Toten aufbahren konnte. Sie wurde 1938 von den Nationalsozialisten zerstört, und später nicht wieder aufgebaut. Auf einer Gedenktafel reihen sich die Namen junger Männer aneinander: „Kohn Adolf, Kohn Alfred, Kohn Artur.“ Sie hatten als Soldaten noch im Ersten Weltkrieg ihr Leben für das Vaterland riskiert, das gleiche Land, in dem sie später zu Volksfeinden erklärt und umgebracht wurden.

Wieder zurück auf der Hauptallee gelangt man, an der Luegerkirche vorbei, zur Gruppe 40. Hier hat die Stadt Wien den unzähligen Opfern des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges ein Denkmal gesetzt: den unter der NS-Justiz zu Tode Verurteilten, den Widerstandskämpfern, den in den Konzentrationslagern Umgebrachten. „Sie starben für Österreich“ steht auf einer der vielen Gedenktafeln.

Der Zentralfriedhof ist nicht zuletzt ein Mahnmal für Toleranz: Hier können Menschen unterschiedlicher Religionen und Bekenntnisse, ungeachtet ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder politischen Meinungen ihre letzte Ruhe finden.

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