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Ende der 60er Jahre prophezeite der Künstler Andy Warhol vor dem Hintergrund seines eigenen Interesses an Ruhm sowie der medialen Entwicklung, dass in Zukunft jeder Mensch für 15 Minuten weltberühmt sein wird.
Mit Blick auf Social Media könnte man beruhigt feststellen, dass Warhol längst überholt wurde. So gut wie niemand muss mehr fürchten, vergessen zu werden, wenn er oder sie es nicht möchte. Der Aufwand dafür geht gegen Null, denn das Internet vergisst nicht. Jeder kann jederzeit überall von allen gehört und gesehen werden.

Der Angst vor dem Vergessenwerden geht in der Regel der Wunsch nach „eigener Berühmtheit“ voraus. Harvard-Psychologe Orville Gilbert Brim Jr. (Buch: Das Ruhm Motiv) prägte vor Jahren den Begriff „fame seeking behaviour“ für Menschen, die sich diese Suche nach Aufmerksamkeit zu einer Lebensaufgabe gemacht haben. Soziale Medien kommen diesem Bedürfnis als Plattform in geradezu idealer Weise nach. Das Internet hat die Kommunikation von den Faktoren Zeit und Raum losgelöst. Wahrgenommen zu werden, ist kein Problem mehr.

In Verbindung mit der Angst vor dem Tod mag beides zusammen fast schon pathologisch wirken. Doch tatsächlich liegt der Wunsch des Menschen, etwas von sich an die Nachwelt weiterzugeben in unseren Genen. Wir wollen uns fortpflanzen, wir haben den instinktiven Wunsch weiter zu existieren. Letztlich sichert es das Überleben unserer Art.

Sich selbst als Erinnerung inszenieren

Die Grenzen des technisch Machbaren werden immer weiter gesteckt. Das Bild auf dem Grabstein, der von Angehörigen gepflegte Facebook-Account als Kondolenzbuch waren nur der Anfang. Einrichtungen wie etwa das Hereafter Institute werben neben dem Einscannen der eigenen Person als 3D-Modell unter anderem damit, eine erstellte Künstlichen Intelligenz (KI) durch eine gewisse Menge an Daten zu erschaffen. Dieses virtuelle Alter Ego kann dann als Persönlichkeit des Verstorbenen selbstständig Statusupdates posten und sogar im Rahmen alltäglicher Handlungen „weiterleben“. Die Anbieter nennen das „partizipative virtuelle Realitätsinstallation“.

Was möglicherweise befremdend klingt, ist im Grundsatz nichts anderes als die Umsetzung eines ureigenen Wunsches: Ich möchte nicht vergessen werden. Das Umsetzen dieses Bedürfnisses ist auch nicht so neu, wie man annehmen möchte – es werden lediglich neue Tools dafür verwendet. Vor hunderten von Jahren hat sich der wohlhabende Bürger beispielsweise von einem Maler aufwendig und teuer portraitieren lassen. Heute zeigt ein 3-D-Modell den gesamten Menschen samt programmierter Persönlichkeit.

Doch es geht bei der Angst vor dem Vergessenwerden nicht nur um einen selbst. Sie kann sich auch auf andere Menschen beziehen. An diesem Punkt kommt man um ethische Aspekte nicht herum.

Der digitale Lazarus auf dem Messenger

Die Geschichte des Replica Chatbots steht exemplarisch für die Verbindung von Erinnerung an einen geliebten Menschen und digitaler Technologie. Eine junge Frau möchte sich nicht nur die Erinnerungen an ihren verstorbenen Freund bewahren, sondern weiterhin einen unmittelbaren Zugang zu seinen Gedanken und sogar zu seiner Persönlichkeit haben. Sie fütterte ein von ihr entworfenes Programm mit allen Aufzeichnungen und Korrespondenzen, derer sie von ihrem Freund habhaft werden konnte. Das Programm kann so interaktiv reagieren und angeblich sogar persönliche Aspekte wie Humor oder Melancholie einbinden.

Den Wunsch, sich so viele Erinnerungen wie möglich von Verstorbenen zu erhalten, kennt vermutlich jeder, der schon einmal jemanden verloren hat. Doch erlaubt der technische Fortschritt das Ausleben unterschiedlicher Motive möglicherweise in einem Ausmaß, das ethische und psychologisch relevante Fragen aufwirft. Wäre der Verstorbene überhaupt mit den Ergebnissen, den Aussagen einverstanden, die er als KI tätigt? Dem ein oder anderen könnte das wie eine postmortale Entmündigung vorkommen. Eine Frage, die so wohl nie beantwortet werden kann.

Muss der Verstorbene dafür herhalten, dass einige Menschen möglicherweise seinen Tod nicht verarbeiten können oder wollen? Führen solche Projekte dazu, dass man sich in der Illusion einer weiterlebenden Person fängt? Denn eins ist klar: Jede KI kann nur auf Basis der eingegebenen Daten arbeiten. Sie kann sogar dazulernen, sich also Eigenarten aneignen, die die menschliche Datenbasis nicht konnte. Ob das Gelernte allerdings der verstorbenen Person entspricht, kann ebenfalls nie mit Sicherheit beantwortet werden.

Übrigens wurde aus dem Replica-Chatbot eine kostenlose Mobile-App entwickelt. Hier kann sich zwar jeder in einer Unterhaltung mit sich selbst sein postmortales, künstliches Ich aufbauen, muss dafür aber so einiges an Daten preisgeben.

Ist Technologie hilfreich für die Trauerarbeit?

Diese Frage kann und muss jeder erst einmal für sich selbst beantworten. Wer sich dabei unsicher fühlt, kann Rat einholen – privat oder professionell.

Die Angst vor dem Tod, der Wunsch zu leben ist so alt wie die Menschheit. Es liegt nahe, dass es sich mit der Angst vor dem Vergessen werden ähnlich verhält. Das gilt auch für den Wunsch, das Schaffen und die Ideen eines anderen Menschen für die Nachwelt erhalten zu wollen. Nichts daran ist neu. Neu sind technische Dimensionen wie Datenmengen und das, was man daraus im Namen des Verstorbenen generieren kann.

Chatbots sind in anderer Funktion längst ein fester Bestandteil der Wirtschaft und überaus nützlich, etwa im Service-Bereich. Im Kontext der Trauerarbeit haben sie allerdings Einfluss auf grundlegende psychologische Aspekte. Der Verlust eines geliebten Menschen kann in alle Bereiche einer Person hineinwirken. Dabei macht es einen Unterschied, ob man beispielsweise Fotos von ihr zu Hause oder sie als 3-D-Simulation, sprechend und handelnd um sich hat. Ein Produkt wie der Replika-Chatbot greift potenziell in die Persönlichkeit eines Menschen ein, der vielleicht nicht mehr real, aber dafür in ganz vielen Köpfen von Freunden und Angehörigen existiert. Hier verschwimmen Realität und Virtualität.

Möglicherweise wird die Angst vor dem Vergessen mittelfristig von der Sorge um die Art verdrängt, wie man selbst in Erinnerung bleiben möchte. Wer Einfluss darauf nehmen möchte, ist gut beraten, sich auch um seinen digitalen Nachlass zu kümmern. Das Bewusstsein, die verstorbene Person hätte eine bestimmte Form der digitalen Erinnerung auch gewollt, kann auf jeden Fall hilfreich für die Trauerarbeit sein.

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