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Sterbefälle stellen für die Angehörigen eine große emotionale und organisatorische Belastung dar. Aus diesem Grund haben sie gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub bei gleichbleibender Lohnfortzahlung, wenn ein naher Verwandter stirbt. In welchen Fällen der Sonderurlaub gewährt wird und wie viele Urlaubstage in Anspruch genommen werden können, hängt allerdings von unterschiedlichen Faktoren ab. Grundsätzlich erfolgt die bezahlte Freistellung neben Todesfällen bei Ereignissen wie Hochzeiten, Silberhochzeiten, Geburten, Krankheitsfällen sowie Umzügen.

Wie lange wird Sonderurlaub gewährt?

Arbeitnehmer in Vollzeit, Teilzeit sowie Aushilfskräfte, Auszubildende und Praktikanten haben in jedem Fall Anspruch auf Sonderurlaub, wenn ein Angehöriger ersten Grades stirbt – also die Eltern, das eigene Kind oder der Ehepartner oder Lebenspartner. Sterben Verwandte zweiten Grades wie beispielsweise die Großeltern oder die Schwiegereltern, besteht kein Urlaubsanspruch. Dies ergibt sich zum einen aus dem Arbeitsrecht und zum anderen aus dem Tarif- und Arbeitsvertrag. Ob dennoch Sonderurlaub gewährt wird, hängt vom Arbeitgeber ab.

Es gibt allerdings keine gesetzliche Vorschrift, die regelt, wie lange der Sonderurlaub gewährt wird, daher hängt die Dauer oft vom Einzelfall und von der Regelung im jeweiligen Vertrag ab. Auch die genaue Regelung der Vergütung ist dem Vertrag zu entnehmen.

Üblich sind beim Tod eines Angehörigen ersten Grades mindestens zwei Tage Sonderurlaub – einer am Todestag selbst und einer am Tag der Beerdigung. Je nachdem, wie lange man bereits im Betrieb tätig ist oder voraussichtlich noch sein wird, kann die Dauer aber auch variieren. Eine lange Zugehörigkeit kann sich auf die Anzahl der Sonderurlaubstage auswirken – in einigen Fällen gewährt der Arbeitgeber vergütete Urlaubstage bis zu zwei Wochen.

Kann der Sonderurlaub verlängert werden?

Davon abgesehen hängt der Sonderurlaub auch oft von der Kulanz des Arbeitgebers ab. Die Urlaubstage können auch dann erhöht werden, wenn eine nachweislich hohe, emotionale Belastung vorliegt, die es dem Arbeitnehmer unmöglich macht, seine Arbeit auszuführen. In solchen Fällen kann er sich dies durch einen Arzt bescheinigen lassen und so eine Freistellung erwirken. Auch dann, wenn jemand nachweislich ein sehr enges Verhältnis zu Angehörigen hatte, die nicht ersten Grades sind, kann Sonderurlaub gewährt werden.

Reichen die Sonderurlaubstage nicht aus und benötigt der Arbeitnehmer eine längere Auszeit, kann er auch auf seine regulären Urlaubstage zurückgreifen oder sich unbezahlt freistellen lassen. Sonderurlaubstage werden den normalen Urlaubstagen weder zugerechnet noch abgezogen. Formal wird der Sonderurlaub allerdings wie regulärer Urlaub behandelt. Das bedeutet, dass er in der Regel genauso eingereicht werden muss. Um sicherzugehen, sollte man sich allerdings bei seinem Arbeitgeber erkundigen.

Wann muss kein Sonderurlaub gewährt werden?

Sonderurlaub können nur Arbeitnehmer beziehen, deren Arbeitsverhältnis zum fraglichen Zeitpunkt wirklich vollzogen wird. Während der Elternzeit beispielsweise kann kein Sonderurlaub gewährt werden.

Auch dann, wenn der Zeitpunkt des Todesfalls in andere Zeiträume fällt, in denen der Arbeitnehmer nicht verpflichtet ist, seiner Leistung nachzugehen, hat er nicht unbedingt Anspruch auf Sonderurlaub. Wenn der Sonderurlaub in die Zeit des Erholungsurlaubs fallen würde, muss er nicht zusätzlich freigestellt werden, weil er ohnehin frei hat.

Außerdem ist auch das Modell der flexiblen Gleitzeitarbeit ebenfalls in der Regelung des Sonderurlaubs berücksichtigt. Der Arbeitnehmer muss nur in den Kernarbeitszeiten anwesend sein und seine Leistung erbringen, darüber hinaus steht es ihm frei, wann und wo er arbeitet. Er hat daher außerhalb der Kernarbeitszeiten keinen Anspruch auf Sonderurlaub.

Kann der Sonderurlaub rechtlich erwirkt werden?

In einigen Fällen kann es auch vorkommen, dass der Arbeitgeber den Sonderurlaub verweigert. Dann hat der Arbeitnehmer das Recht, diesen durch Klage einzufordern. Keinesfalls sollte man den Sonderurlaub eigenmächtig nehmen, denn in dem Fall kann man sein Arbeitsverhältnis riskieren. Rechtliche Schritte oder Krankschreibungen sind in diesen Fällen ratsam.

Auch dann, wenn der Chef abmahnt oder kündigt, weil er der Ansicht ist, dass der Arbeitnehmer aufgrund des Todesfalls zu lange der Arbeit fern bleibt, hat der Betroffene rechtliche Möglichkeiten. Er kann beim zuständigen Arbeitsgericht in einem Schnellverfahren eine einstweilige Anordnung beantragen, indem er die Sterbeurkunde und den Arbeits- oder Tarifvertrag vorlegt. Die Anordnung wird innerhalb weniger Stunden wirksam, sodass der Arbeitnehmer seinem Vorgesetzten gegenüber belegen kann, nicht unentschuldigt zu fehlen.

Bei einer sensiblen Angelegenheit wie einem Todesfall sollte der Betroffene in jedem Fall zunächst das ruhige Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen, um eine einvernehmliche Lösung für die Trauerzeit zu finden.

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