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Dr. Dirk Rathjen ist Chef des Instituts für Vermögensaufbau in München. Mit seinem Team erstellt er regelmäßig Studien und Analysen zum privaten Vermögensaufbaus. Seine Tipps und Handlungsempfehlungen für Privatanleger und Investoren sind in zahlreichen Fachmedien gefragt. Mehrere Jahre hat er die Investmentabteilungen verschiedener nationaler und internationaler Unternehmen geleitet und so jahrelange Erfahrungen beim Portfoliomanagement gesammelt.

Warum es bei der Altersvorsorge und langfristigen Anlage vor allem Disziplin braucht, welchen Einfluss Corona auf unser Verhalten in Sachen Vorsorge hat und worauf wir achten sollten, wenn wir nachhaltig fürs Alter sparen wollen, erklärt er im Interview.

Zu Beginn der Corona-Krise im Februar und März 2020 haben wir an den Aktienmärkten deutliche Kursverluste gesehen. Wie steht‘s aktuell?

Die Aktienmärkte haben sich sehr deutlich und vor allem erstaunlich schnell wieder erholt. Die Einbrüche aus dem Vorjahr haben den DAX getroffen, aber auch den MSCI World, ein Aktienindex der über 1.000 Unternehmen aus mehr als 20 Ländern, abbildet. Teilweise haben wir Kursverluste um die 30 Prozent erlebt. Aber seitdem erholen sich die Kurse mit zwischenzeitlichen Schwankungen wieder. Die Aktienindizes haben recht schnell wieder ihr Niveau von vor der Krise erreicht. Beim Dax wie auch weltweit gab es sogar inzwischen wieder Rekordwerte. Grund dafür ist unter anderem die massive finanzielle Unterstützung der Staaten für die Wirtschaft.

Dr. Dirk Rathjen, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau in München

Solche Schwankungen am Aktienmarkt machen die Deutschen traditionell sehr nervös. Wie sollten sich Anleger in solchen Krisen verhalten?

Das stimmt. Die Deutschen reagieren häufig emotional bei volatilen Entwicklungen. Das ist vom psychologischen Standpunkt her nachvollziehbar, aber für die eigene Altersvorsorge natürlich hinderlich.

Die Corona-Krise hat die Unsicherheit bei allen Geldanlagen verstärkt. Wir konnten ein klassisches Phänomen beobachten: Anstatt den Blick auf die langfristige Rendite zu richten oder die niedrigen Kurse sogar für weitere Investitionen zu nutzen, verkauften viele Anleger ihre Wertpapiere.

Hinzu kommt: Viele Deutsche setzen immer noch auf das Sparbuch als Geldanlage. Grundsätzlich spricht nichts gegen das Sparbuch, allerdings eher für kurzfristig anstehende Ausgaben oder Notfälle. Wenn zum Beispiel das Auto kaputtgeht und in die Werkstatt muss, sollte ich nicht erst ein Aktienpaket verkaufen müssen, um die Reparatur bezahlen zu können. Für solche kurzfristigen Ausgaben ist es wichtig, Geld auf dem Konto oder auf dem Sparbuch zu haben. Als Daumenregel sagt man: Die Reserve sollte etwa zwei Nettomonatseinkommen betragen. Für das langfristige Sparen und die Altersvorsorge, ist das Sparbuch ungeeignet. Gerade bei der Altersvorsorge kommt es ja auf die langfristige und nachhaltige Anlage an.

„Für das langfristige Sparen und die Altersvorsorge, ist das Sparbuch ungeeignet“

Woran liegt das? Fehlt es den Deutschen an entsprechender finanzieller Bildung?

Das auch. Ich würde aber eher sagen, es fehlt an Disziplin. Viele verkaufen ihre Aktien, wenn die Kurse gefallen sind. Denn die meisten Menschen haben Angst vorm Verlieren. Dabei vergessen sie, dass Aktienkurse immer wieder schwanken – mal mehr und mal weniger heftig. Diese Kursschwankungen muss man leider aushalten, doch das tun viele nicht.

Dabei kommt es vor allem auf das Durchhaltevermögen an. Gute Berater wissen: Wer Aktien kauft, sollte mindestens sieben Jahre Zeit mitbringen. Für viele Deutsche steht immer noch die Sicherheit im Fokus. Sie sagen: „Rendite brauche ich nicht. Sicherheit ist für mich die Hauptsache.“ Sie täuschen sich aber, wenn sie glauben, dass es noch sichere Anlagen gibt. Denn bei vermeintlich sicheren Anleihen also die, die weniger schwanken, reicht die Rendite heutzutage im Normalfall nicht mehr, um Kosten und Inflation zu decken. Das wird langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Kaufkraftverlust führen. Man kann also nicht mehr zwischen sicher und unsicher wählen, sondern zwischen kurzfristig unsicher und langfristig unsicher. Auch gern vergessen wird: Gerade wenn die Aktien-Kurse gefallen sind, werden die, die investiert bleiben, mit höheren Renditen belohnt.

Ein gutes Anlagerezept ist übrigens Diversifizierung. Das heißt also: verschiedene Aktientitel halten und das Aktienportfolio breit streuen. Dann kann man kurzfristige Schwankungen ausgleichen und wird langfristig trotzdem mit guten Renditen belohnt.

Diese Sorge vor Verlusten am Aktienmarkt bringt viele Menschen dazu, auf Immobilien als langfristige Anlagestrategie zu setzen. Ist das der richtige Weg für die Zukunft?

Es ist in der Tat erstaunlich, wie sehr die Deutschen das Risiko bei Immobilien unterschätzen, wohin gegen das Risiko bei Aktien eher überschätzt wird. Immobilien gelten in Deutschland nach wie vor als sichere Anlageoption. Aber die Erfahrungen aus den letzten Krisen in verschiedenen Ländern zeigen, dass auch Immobilienpreise einbrechen können. Die finanziellen Risiken für Käufer und Eigentümer sind in den letzten Jahren stark gestiegen.

Die selbstgenutzte Immobilie kann sich lohnen, aber die Renditechancen bei Immobilien sind bei weitem nicht mehr so gut wie vor einigen Jahren. Die Preise sind jetzt vielerorts einfach zu hoch, um jetzt noch einzusteigen.

Bei Aktien dagegen gestaltet sich die Lage anders. Die schnelle Erholung des Aktienmarktes im Corona-Jahr hat einmal mehr gezeigt, dass Aktieninvestitionen besser sind als ihr Ruf. Wer bereit ist, kurzfristig hohe Schwankungen auszuhalten, fährt langfristig mit Investitionen in Aktien sehr viel sicherer als mit Immobilienspekulationen.

Zu Beginn der Corona-Krise haben wir gesehen, dass viele Anlegerinnen und Anleger sehr sicherheitsorientiert agiert haben. Sie haben Aktien verkauft und das Geld auf das Sparbuch gelegt. Es braucht aber mehr als ein Sparbuch oder eine Immobilie für die Altersvorsorge. Zu einem guten Anlageportfolio gehören auch Aktien oder eben Fonds.

„Gerade wenn die Aktien-Kurse gefallen sind, werden die, die investiert bleiben, mit höheren Renditen belohnt“

In der Corona-Zeit haben wir einige Entwicklungen gesehen, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Welche Trends und Entwicklungen beim Investieren werden uns in Zukunft erhalten bleiben?

Der Trend zur Investition in Fonds und Aktien wird sicherlich anhalten. Das liegt nicht nur an Corona, sondern an der schon viel länger anhaltenden Niedrigzinsphase. Laut dem Deutschen Aktieninstitut besaßen im vergangenen Jahr 12,4 Millionen Menschen in Deutschland Aktien, direkt oder indirekt, also über Fonds oder ETFs. Das waren 28 Prozent mehr als im Vorjahr.

Gerade ETFs sind als mögliche Investmentalternative sind in aller Munde. Denn sie gelten als einfach und transparent, sind außerdem kostengünstig und flexibel. Aber leider genügt es nicht, sich einmalig einen ETF auszusuchen und dann ein Leben lang zu besparen.

Wer gute Renditen sicherstellen will, muss sich aktiv um sein ETF-Portfolio kümmern. Doch das tun die wenigsten. Eine Auswertung von SmartAssetManagement zeigt: Nur bei der Hälfte aller Fondspolicen werden während der Laufzeit Änderungen im Fondsportfolio vorgenommen – obwohl Fondswechsel kostenlos wären. Gemanagte Portfolios sind hier eine gute Alternative. Hier stellen Anlagespezialisten das Portfolio zusammen. Sie haben die Fonds stets im Blick und können bei Bedarf eingreifen.

Natürlich werden auch Immobilien weiterhin ein Investmentthema sein. Denn die Menschen wollen einfach weiter daran glauben, dass etwas so Handfestes wie eine Immobilie sicher ist. Das ist vom psychologischen Standpunkt her nachvollziehbar, aus Sicht des langfristigen Vermögensaufbaus ist diese Haltung aus den dargelegten Gründen in den meisten Fällen allerdings eher weniger zu empfehlen.

Stichwort Empfehlen: Die Anlage- und Vorsorgewelt wird immer komplexer. Wie hoch ist aus Ihrer Sicht der Beratungsbedarf?

Der ist jetzt schon gewaltig und wird weiterhin deutlich zunehmen. Da bin ich mir sicher. Gerade für den Einstieg in die langfristige Vorsorge lohnt es sich, eine qualifizierte und umfassende Beratung in Anspruch zu nehmen. Natürlich kann man sich viele Dinge im Internet anlesen, aber der Zeitaufwand, bis man es richtig durchdrungen hat, ist oft zu groß.

Erfahrene und geschulte Beraterinnen und Berater, die ihre Kunden bedarfsgerecht beraten, können zum Beispiel anhand von Daten und Kursentwicklungen sehr plausibel darlegen, warum es eben nicht sinnvoll ist, bei einem sich abzeichnenden Kursverlust gleich alle Fonds und Aktien zu verkaufen. Sie nehmen die Emotionen raus, verschaffen uns einen rationaleren Blick auf die Dinge und helfen so, die nötige Disziplin zu behalten, die für das langfristige Investment nötig ist.

Das tun übrigens auch erfahrene Menschen, die jahrelang an der Spitze von Finanzunternehmen gestanden haben, zum Beispiel mein ehemaliger Vorgesetzter, der Deutschland-Chef eines schwedischen Finanzdienstleisters. Auch er suchte sich für die eigene Vorsorge Beratung und Unterstützung. Denn er wusste: Jeder von uns ist emotional, wenn es um das eigene Geld geht, dabei sollten wir gerade da Panik vermeiden, einen kühlen Kopf und Disziplin bewahren, wenn wir langfristig Rendite erzielen wollen.

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